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(Ge)runde Sache

Ein Gruß aus der Vergangenheit

Fools rush in

Der Name ist Programm - Übersetzung von Buch- und Filmtiteln

Vorsprung durch Technik - Rückschritt durch Werbung

Oblique strategies and 'translator's block'

Business as usual

A book about lie-ins or a book with lies in it?

Auf den Brexit, fertig, los – oder vielleicht doch nicht ...

Collaborative effort

Musings on menu translations

Gasse zum Weissen Hirsch?

Übersetzen ist Herzenssache

Deutsch lernen – lohnt es sich überhaupt?

Le freak, c'est chic

Blindtext mal anders

Ich sehe was, was du nicht siehst!

Macht's euch hyggelich

Wie viele Übersetzer braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?

Out, but not down

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Ordnung muss sein

Die Zeichensetzung – wo setzen Sie Ihr Zeichen?

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Vorbild Schweiz

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Zum Thema „Thema"

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Sind Waschbären immer sauber?!

Die Vorteile der Teamarbeit

Gut Ding will Weile haben

Why the world still needs translators

Wörterbücher in den falschen Händen

Archiv-Einträge (Verschiedenes)

(Ge)runde Sache (17 September 2021)


OK, so we've given the game away with the picture, but what would otherwise come to mind if you saw the word skytanking? For most of us here, it conjured images of someone hurtling down from the sky at great speed, perhaps a new and extreme variant of skydiving without the parachute. This sense of falling fast and hard matches the most common use of the word 'tank' as a verb in contemporary English, which is to 'fail completely, especially at great financial cost'.

The employees were called in to see the manager after the much-vaunted project tanked.

Despite its blockbuster budget, the movie tanked at the box office.

So, not really the sort of image an enterprise in the aviation sector would necessarily want to associate itself with. But a business in the airline refuelling game maybe doesn't need to rely on successful branding as much as a consumer-facing company. The photograph comes courtesy of a member of our team who recently braved the many hurdles one faces nowadays to take a trip to Germany. A linguist is never completely off duty it seems, even while on an aeroplane!

Skytanking follows in a long and rich tradition of using English gerunds and other pseudo-English words ending in -ing in German. The classic example 'ein Smoking' for a dinner jacket can be dated back as far as the 19th century, although this particular false friend is apparently also present in a number of other European languages. What exactly constitutes a gerund or simply a noun ending in -ing is a bit of a grey area and beyond the scope of this blog. This particular deep dive on the finer points of the grammar of these words illustrates just how complex the definitions can be.

It is interesting that 'ein Smoking' has an old-fashioned feel and that 'Skytanking' does actually, regardless of whether its name might be misunderstood out of context, perform what is presumably the intention of conveying a modern feel. Even another classic of any Denglish fluff piece, 'Public Viewing', now has a faintly quaint sound to it, harking as it does back to the heady days of the 2006 World Cup.

Another amusing example (or at least amusing to us native speakers of English) of this particular type of Anglicism in German is 'Baby shooting' (a baby photoshoot), and we once had to diplomatically inform a customer who had included the word 'Dogging' in their German text – to suggest 'jogging with a dog' – that it indicates something rather less wholesome to us! We had thought this was such an obvious faux pas, and bound to be pointed out by English native speakers, that it would have disappeared from the contemporary German canon. Indeed, most references to it on German websites, at least, are now quite old. But to our great surprise, it clearly still lingers and actually a new 'variant of concern' has emerged: 'Cross-Dogging'. The mind boggles ...

As we wrap up this blog, we'll finish with a classic piece of Denglish - 'ein Happy End' - that eschews the -ing form (a happy ending is of course perfectly acceptable English), perhaps because of the cognate Ende in German.

Ein Gruß aus der Vergangenheit (28.06.2021)

Deutschland trifft auf England in der K.O.-Runde eines internationalen Fußballturniers - es ist die jüngste Neuauflage eines Klassikers. Während England sich recht komfortabel den ersten Platz in Gruppe D sicherte, war der Einzug ins Achtelfinale für die deutsche Mannschaft eine echte Zitterpartie. Dieser Auftakt legt nahe, dass die Three Lions dieses Mal die routiniertere Turniermannschaft und der Favorit für das anstehende Duell im Wembley Stadium sind - vor allem mit Heimvorteil. Aber wie Gary Lineker - Ex-England-Stürmer, Fußball-Legende und TV-Kommentator - einst sagte: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen." Ein K.O.-Rundenspiel gegen „die Mannschaft"* ist eine Aussicht, bei der selbst hartgesottenen englischen Fußballfans das Herz ein wenig tiefer in Richtung Hose rutscht, bevor sie sich mit resignierter Entschlossenheit ihrem Schicksal stellen.

Deutschland hat die englische Mannschaft schon mehr als einmal vorzeitig nach Hause geschickt. Es ist daher nicht allzu verwunderlich, dass diese spezielle Rivalität im englischen Lager stärker empfunden wird. Für die deutsche Mannschaft sind traditionell eher die Niederlande, und in jüngerer Vergangenheit Italien, ein wunder Punkt. Die bevorstehende Begegnung mit England ist für Deutschland zwar nicht unbedingt „Business as usual", aber letztlich doch in erster Linie eine sportliche Herausforderung. Es sagt vielleicht schon einiges über die kollektive Psyche der englischen Nation aus, dass sich unsere verpatzten Elfmeter (allen voran in den Halbfinalspielen gegen Deutschland in 1990 und 1996) fast genauso in unsere Erinnerung eingebrannt haben wie unser einziger großer Triumph im Jahr 1966. Doch auch wenn die Rivalität jenseits des Ärmelkanals tiefer sitzt als an Rhein und Ruhr, hat Wembley für die Deutschen einen besonderen Gänsehautfaktor. Es ist der „heilige Rasen", die Heimat des englischen Fußballs - und der Ort, an dem die deutsche Mannschaft einen ihrer denkwürdigsten Erfolge feierte: den Europameistertitel 1996. Widersinnigerweise war dieses Turnier trotz seines Ausgangs auch die Geburtsstunde der „Three Lions"-Hymne - einer Ode an die Hoffnung und den Herzschmerz der englischen Fans. Selbst in Deutschland ist dieser Fußball-Ohrwurm auch 25 Jahre später noch ein Klassiker. Etwas weniger bekannt ist, dass das allerletzte Spiel im ursprünglichen Wembley Stadium ebenfalls eine Begegnung zwischen England und Deutschland war. Erneut trug hier bei einem für die Gastgeber historischen Anlass die deutsche Mannschaft den Sieg davon.

Der Name „Wembley" hat sich aber auch in anderer Weise im deutschen Fußballjargon verewigt. Als Wembley-Tor bezeichnet man einen Torschuss, der von der Unterseite der Latte auf den Boden prallt und dann ins Spielfeld zurückspringt, wobei unklar ist, ob der Ball vor oder hinter der Torlinie auf den Boden traf. Der Ausdruck geht auf das WM-Finale von 1966 zurück, als der berüchtigte Lattenschuss von Geoff Hurst als Tor - rückblickend das spielentscheidende Tor - gewertet wurde. Heute gilt es als allgemein anerkannt, dass der Ball tatsächlich nicht hinter der Torlinie landete. Unser Dank gilt also dem russischen Linienrichter (selten wurde die Nationalität eines Unparteiischen so ausgiebig beleuchtet) und der Tatsache, dass es damals noch keine Torlinientechnik gab. Ausgleichende Gerechtigkeit für Deutschland gab es schließlich, als das Wembley-Tor von Frank Lampard im Achtelfinalspiel Deutschland gegen England bei der WM 2010 nicht gewertet wurde. Bei diesem „Phantomtor" war in der Tat das Runde so deutlich im Eckigen, dass es weithin als Beschleuniger für die Einführung der Torlinientechnik gilt.

Natürlich ist uns bewusst, dass ein Großteil unserer Kunden in der kommenden Partie dem deutschen Team die Daumen drücken wird. Darum beschließen wir diesen Blogpost mit dem einfachen Wunsch: Möge die bessere Mannschaft gewinnen! Come on England! Auf geht's Deutschland!

*Im Laufe der Gruppenphase kam uns zu Ohren, dass die österreichische Nationalmannschaft auch als „das Team" bezeichnet wird - in unseren Augen eine eindeutige aber auch recht farblose Anlehnung an „die Mannschaft".

Fools rush in (01.04.2021)

As we pause for breath during what has been a hectic annual report season, a short window has opened in which to wish our readers a happy start to springtime proper. Given our morning instead of afternoon publication time and the date of the blog, you'd be forgiven for thinking an Aprilscherz is on the horizon. But sadly we'll have to disappoint. The LingServe team are not being replaced with robot translators (yet ...), Germany has not decided to adopt English as its official language (yet ...), and Jogi Löw's boys were not beaten at home by North Macedonia in the World Cup qualifiers last night (wait a moment ...).

Of course, Teutonic humour doesn't have the best reputation internationally. But as Deutschlandkenner, we know better. Germans love an April Fools' joke as much as anyone else. It's always a hard balancing act, however. And not every joke will land. Particularly when it has to work across borders. Indeed a German multinational is at the centre of what will probably be this year's biggest April Fools' controversy. The candidate for the April Fools' joker turned actual April Fool for 2021 is none other than Volkswagen. The auto giant rather jumped the gun by announcing that it was rebranding as Voltswagen a couple of days before April 1. Hubris? Itchy trigger finger? Who knows. Make of it what you will, but the marketing stunt at the very least seemed to divide opinion. Perhaps partly because, of course, it actually made a lot of sense on some levels. The company is indeed moving increasingly towards electric-powered transport. Or should we be calling it 'e-mobility'? (That's a translation discussion that could probably fill ten blogs!)

According to various news sources, reports of the purported name change caused VW's stock to surge, turning what was a pretty ham-fisted attempt at humour into something potentially a lot more serious. The joke was probably not intended to manipulate the company's share price and it seems unlikely that the regulators would see it that way. But corporate social media departments need to be extra careful in today's meme-obsessed age when a single tweet by Elon Musk and his ilk can send a valuation soaring or nosediving.

Have you spotted, or been taken in, by any good April Fool's jokes today? Let us know, especially if they're German! Running with the Voltswagen name gag, perhaps Daimler is going to announce that it's buying the Swedish chocolate brand Daim. Will Porsche finally settle the argument of how to pronounce its name by removing that cursed final "e"? Will BMW rebrand as Beemer? Audi as the US-friendly Howdy! OK, perhaps now, you see now why we didn't do our own joke... Happy April Fools' Day everyone and frohe Ostern from all of us here.

Der Name ist Programm - Übersetzung von Buch- und Filmtiteln (25.09.2020)

Einer meiner persönlichen Lieblingsautoren - aus dem deutschen Sprachraum und auch ganz allgemein - ist Stefan Zweig. Vor kurzem habe ich seinen Roman „Rausch der Verwandlung" wiederentdeckt. Er erzählt die Geschichte von Christine Hoflehner, einer Postassistentin aus einer Kleinstadt nahe Wien, der in den von Armut geprägten Zwischenkriegsjahren ein flüchtiger Aufstieg in höhere Gesellschaftsschichten gelingt.

Aber was hat das mit Übersetzung zu tun? Nun - aus beruflicher Neugier habe ich mich gefragt, ob dieses Buch je in die englische Sprache übersetzt wurde, und wie wohl in diesem Fall der Titel lauten würde. Wie ich herausfand, wurde es tatsächlich übersetzt, und der Titel lautet „The Post-Office Girl". Wer das Buch nicht gelesen hat, kann an dieser Stelle möglicherweise nicht ganz nachvollziehen, wie gelungen diese Übersetzung ist - in meinen Augen ist sie absolut perfekt. Auf den ersten Blick sieht man jedoch nur, dass sie keinerlei Ähnlichkeit mit dem deutschen Originaltitel aufweist. Schauen wir uns einmal genauer an, warum der Übersetzer diese Wahl getroffen haben könnte. Zunächst lässt sich festhalten, dass eine wortgetreue Übersetzung nicht wirklich funktioniert - „Intoxication of Transformation" klingt aufgrund der zwei langen Substantive und der wiederholten Endung auf „-ion" schwerfällig und unschön, und das Wort „intoxication" ist in Bezug auf das Sprachregister deutlich fachlicher als das deutsche Wort „Rausch". Des Weiteren weckt die Verschiebung des Fokus auf die Protagonistin - das „post-office girl" - eine gewisse subtile Erwartung und Spannung. Ähnlich prosaisch und doch faszinierend mutet der Titel des erst vor wenigen Jahren erschienenen Erfolgsromans „The Girl on the Train" an. Aber nicht jeder teilt meine Begeisterung für die Übersetzung des Titels von Stefan Zweig. Besonders interessant fand ich die folgende Kritik eines nicht deutschsprachigen Lesers in Bezug auf den Titel der englischen Romanfassung:

"Finally I'm unsure about the title. The original is Rausch der Verwandlung. The last word I know from Kafka, but a rough Google Translate gives the whole as Noise of the Transformation. Edwin Frank prefers The Intoxication of Metamorphosis, which makes more sense. Both are more enigmatic and striking than The Post-Office Girl to be sure. Then again, the chosen title has a blank simplicity which appeals too, and an irony in finally reducing Christine to her social role however hard she wishes to escape it ... Sometimes publisher knows best then."1

Hinter der Wahl des fremdsprachigen Titels einer Literaturübersetzung steckt so viel Kopfzerbrechen und Kontroverse, dass nicht selten der übersetzte Titel von späteren Verlegern geändert wird - vielleicht, um die Übersetzung zeitgemäßer zu machen, oder einfach, weil jemandem eine bessere Übersetzung eingefallen ist. Sofern das Werk nicht bereits unter dem ursprünglichen Titel sehr bekannt geworden ist, stellt dies in der Regel kein großes Problem dar. Eines der letzten Werke von Zweig (und ebenfalls ein hervorragendes Buch), die „Schachnovelle", wurde zum Beispiel in der englischen Fassung zunächst unter dem Titel „The Royal Game" veröffentlicht. Heute hingegen ist sie schlicht unter dem Titel „Chess" bzw. „Chess Story" erhältlich.

Aber im Titel dieses Blogs hatte ich ja nicht nur Buchtitel sondern auch Filmtitel versprochen! Hier also eine bunte Auswahl an interessanten deutschen Übersetzungen englischsprachiger Filmtitel (und umgekehrt) mit kurzem Kommentar von LingServe:

Cruel Intentions - Eiskalte Engel
Eine gelungene Alliteration, vielleicht sogar besser als der Originaltitel?

Lola Rennt - Run Lola Run
Ein Wort mehr macht im Englischen einen entscheidenden Unterschied und gibt dem Titel den passenden Rhythmus.

Bend it like Beckham (Englisch) - Kick it like Beckham (Deutsch)
Ja, das ist die deutsche „Übersetzung"! Wenn ein englischer Titel im Deutschen griffig und verständlich ist, wird er nicht selten einfach übernommen. Falls lediglich ein bestimmtes Wort nicht gängig genug ist, wird dieses gerne einfach durch ein geläufigeres ausgetauscht. Gelegentlich wird aber auch ein kompletter englischer Titel für die deutsche Fassung neu erfunden. Weitere Beispiele hierfür sind die Abwandlung von „Miss Congeniality", in „Miss Undercover" (Deutsch) oder die Umbenenung von „Bring It On" in „Girls United" (Deutsch). Die Produzenten waren hier wohl schlicht der Ansicht, dass die Begriffe „bend" und „congeniality" und der Ausdruck „bring it on" im deutschen Sprachraum nicht ausreichend bekannt sind.

Einer meiner persönlichen Favoriten ist der deutsche Titel „Bube, Dame, König, grAS" für den Film „Lock, Stock and Two Smoking Barrels". Meine Begeisterung rührt vermutlich daher, dass mich der Titel an einen meiner absoluten Lieblingsfilm- bzw. -buchtitel erinnert: Tinker Tailor Soldier Spy. Der Rhythmus dieser Wortkette und die abfallende Vokalfolge (ähnlich wie bei „Pingpong" oder „Schnickschnack") machen diesen Titel im Englischen besonders klangvoll. Der deutsche Titel erzielt durch die Spielkarten-Symbolik ebenfalls einen wirkungsvollen Steigerungseffekt.

Zu guter Letzt hier noch ein Beispiel für eine Übersetzung aus dem Deutschen ins Englische, bei der eine Prise künstliches „teutonisches Flair" untergemischt wurde: Der deutsche Film „Die fetten Jahre sind vorbei" wurde im Englischen mit „The Edukators" betitelt.

Abschließend stellt sich natürlich die Frage: Was heißt das für die Berufspraxis? Nun, allen Übersetzerinnen und Übersetzern, die diesen Blog lesen, empfehlen wir als Daumenregel, den Titel im Zweifel immer als Letztes zu übersetzen. Wenn man sich erst einmal gründlicher mit dem Inhalt und der Aussage des Zieltextes beschäftigt hat, kommt einem oft eine bessere Idee für den zielsprachlichen Titel, als eine schlichte wörtliche Übersetzung des Originals.

Bestimmt gibt es noch viele weitere gelungene Beispiele für kreative Titelübersetzungen in Film und Literatur - über weitere Vorschläge würden wir uns freuen! Besonders gute Beispiele werden sicher ihren Weg in zukünftige Blogposts finden.

1https://theasylum.wordpress.com/2008/07/26/stefan-zweig-the-post-office-girl

Vorsprung durch Technik – Rückschritt durch Werbung (04.09.2020)

Der renommierte deutsche Autobauer Audi geriet kürzlich aufgrund einer Werbeaufnahme ins Kreuzfeuer der Kritik, die wohl im besten Fall eine grobe Fehlkalkulation und im schlechtesten Fall schlichtweg geschmacklos war. Die Aufnahme zeigt ein kleines Mädchen, das - an den Kühlergrill eines knallroten neuen Sportwagenmodells des Herstellers gelehnt - eine Banane isst. Dass diese Symbolik fragwürdige Interpretationen geradezu einlädt, ist kaum übersehbar. Und nicht weniger berechtigt ist der Kritikpunkt, dass der Platz vor der Stoßstange eines Autos für ein Kleinkind, das kaum über die Kühlerhaube hinausragt, ein denkbar schlechter Aufenthaltsort ist. Vielleicht fragen Sie sich nun: Was hat sich Audi dabei gedacht? Auch von der stets wachsamen Nutzerschaft der sozialen Netzwerke hagelte es prompt Fragen in dieser Hinsicht. Was uns jedoch bei diesem Werbeplakat ins Auge fiel, war nicht unbedingt die fragwürdige Zweideutigkeit der Wort- und Bildwahl - obwohl wir als Dienstleister zweifellos auf dieses Problem hingewiesen hätten. Was uns nicht schmeckte war, wie stark der deutsche Ursprung im englischen Werbetext durchklingt.

Der heftig kritisierte Slogan zu der Aufnahme lautete: „Lets your heart beat faster - in every aspect." Man braucht keinen Röntgenblick für Englisch-Deutsch-Übersetzungen, um zu durchschauen, welcher deutsche Originaltext dem wohl zugrunde lag. Ganz richtig: „Lässt das Herz höherschlagen - in jeder Hinsicht." Höchstwahrscheinlich zumindest. Denn eine offizielle deutsche Originalfassung konnten wir leider nicht ausfindig machen. Trotzdem ist es ziemlich klar ersichtlich, dass sich diesen englischen Slogan ein deutscher Muttersprachler ausgedacht haben muss. Wie können wir uns da so sicher sein? Nun, die englische Formulierung ist nicht nur eine wortwörtliche Übersetzung einer gängigen deutschen Redewendung, sondern klingt in den Ohren jedes englischen Muttersprachlers zudem ziemlich ungelenk und unnatürlich. Aber schlau daherreden kann jeder: Wie hätten wir es besser gemacht? Dies gilt natürlich unter der Prämisse, dass der Text in Zusammenhang mit einem angemesseneren Bild verwendet worden wäre!

Der Ausdruck „Makes your heart skip a beat" wäre eine naheliegende Lösung, die der Herz-Metapher treu bleibt. „All your heart could desire" ist eine weitere Option, die sinngemäß auch gleich „in every aspect" mit abdeckt, aber vielleicht ein wenig abgedroschen klingt. „Lässt das Herz höherschlagen" lässt sich auch einfach durch ein passendes Verb wie „delight" oder „excite" wiedergeben. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt - aber die Auswahl, und bestenfalls auch die Freigabe, sollte stets durch qualifizierte Muttersprachler erfolgen. Knapp daneben ist auch vorbei - in der Werbebranche gilt diese alte Weisheit vielleicht mehr als in vielen anderen Bereichen.

Es ist kaum begreiflich, dass Unternehmen in der heutigen Zeit immer noch Nicht-Muttersprachler mit dem Verfassen fremdsprachiger Werbetexte betrauen. Der Problematik des gefährlichen Halbwissens haben wir bereits einen früheren Blog-Artikel gewidmet. Wie das von Audi verwendete Bild auch nur eine einzige Genehmigungsstufe überstehen konnte, ist relativ unerklärlich, aber vielleicht war das Bild an sich so kontrovers, dass darüber das zugegebenermaßen sekundäre Problem - der unelegante Werbetext - völlig übersehen wurde. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ein Mitglied des VW-Konzerns mit einer Werbekampagne gehörig ins Fettnäpfchen tritt. Die Firma, die es mit „Vorsprung durch Technik" womöglich als einzige geschafft hat, einen deutschsprachigen Slogan im Allgemeinwissen der englischsprachigen Welt zu verankern, sollte aus diesem Debakel eine Lehre ziehen. Oder am besten gleich mehrere, auf Wort- und Bildebene.

Oblique Strategies and ‘translator’s block’ (28 February 2020)

In the mid-1970s, Brian Eno and Peter Schmidt came up with a method for providing a jolt to artists struggling with creative block. They called their invention Oblique Strategies. The strategies take the physical form of a deck of cards featuring simple but sometimes also cryptic instructions designed to help relieve creative block and provide inspiration. Perhaps their best-known application was in David Bowie's Berlin trilogy of albums. Some of the strategies are particular to the music industry (Imagine the music as a moving chain or caterpillar), but most are not. You will find some examples here. They even helped with the composition of this blog, specifically one of the more prosaic instructions: Take a break! Even after the research had been synthesised and some initial ideas jotted down, the writing process didn't exactly flow freely. But it did after a short break, which perhaps chimes with another of the strategies: Slow preparation, fast execution.

As translators, we write for a living, but are perhaps unique in the field in that we are never (or at least rarely) faced with a blank page that needs filling. By definition, we always have something to work from. It seems to make writing this blog doubly difficult. The process throws us out of our comfort zone and into the ominous realm of composing for our own audience. A common tip for aspiring writers is to simply get something down on paper and work from there. We find a similar thing applies to the blog. The first draft is painful and hard work, but once it's done, we have our ‘source text’ to refine and improve.

Of course, blank pages are not our everyday bread and butter. Working on something that has already been written is. And that would, on the face of it, seem like the ultimate restriction. But it is perhaps the restrictions placed upon us that can inspire and indeed call for our greatest moments of creativity. The one-word heading containing an untranslatable German pun. The sentence stretching half a page containing a maze of clauses and subclauses. We can assure you that translator's block is a very real phenomenon and that we all have our various tips and tricks for resolving it, some of which perhaps align in spirit to Eno and Schmidt's Oblique Strategies. My personal favourite is simply asking a colleague or other person for their opinion. The metaphorical pulling of the How would someone else do it? card. Use unqualified people or perhaps even Tape your mouth (reversing the instruction in this case). Some of the Oblique Strategies are eerily relevant: Make something implied more definite. Germans love a passive construction, and making the implicit subject of the sentence explicit can make all the difference in translation. Some are less relevant of course: Do the words need changing? Well, yes, otherwise we wouldn't be stuck :)

I think we translators all use something similar to the Oblique Strategies in our day-to-day work, often perhaps without really thinking about it. Whether it's switching the order of the sentence around, turning verbs into nouns or nouns into verbs, removing fluff and filler or adding a little something to make a sentence sing, the amount of creative energy that goes into our work can sometimes be quite surprising - and surprisingly exhausting!

Business as usual (31.01.2020)

Heute tritt Großbritannien offiziell aus der Europäischen Union aus. Wir hier bei LingServe hätten uns gewünscht, dass unser Land ein vollwertiges und aktives Mitglied der EU bleibt, das den weiteren Entwicklungspfad dieser Staatengemeinschaft gleichberechtigt mit beschreitet. Aus dieser Ansicht haben wir nie einen Hehl gemacht. Doch wir akzeptieren, dass der Ausstieg sich nun vollzieht, und werden uns den veränderten Umständen anpassen, soweit dies erforderlich ist. Wir hoffen aufrichtig, dass aus den Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU in den kommenden Monaten und Jahren eine möglichst enge Beziehung erwächst.

Heute um Punkt Mitternacht (MEZ) beginnt nun die sogenannte Übergangsphase. Diese wird bis zum Ende des Jahres 2020 währen, sofern Premierminister Boris Johnson keine Verlängerung beantragt. In seinen bisherigen Äußerungen hat er diese Option kategorisch ausgeschlossen. Während der Übergangsphase unterliegt Großbritannien weiterhin dem EU-Recht, und im Allgemeinen sollte sich der private und berufliche Alltag in keiner Weise spürbar verändern. Natürlich ist der Brexit-Prozess an dieser Stelle noch bei Weitem nicht abgeschlossen – bis dahin sind noch zahlreiche Problempunkte zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Was für ein Bild sich dann letzten Endes ergibt, ist derzeit weitgehend unabsehbar. Die genauen Bedingungen, unter denen Großbritannien sich von seinem größten und engsten Handelspartner trennen wird, sind also kurz gesagt noch unklar.

Im Rahmen des neuen Handelsabkommens zwischen Großbritannien und der EU oder auch im Falle eines No-Deal-Brexits (angesichts des knappen Zeitfensters für die Aushandlung eines Handelsabkommens und der strikten Ablehnung einer Verlängerung seitens der Regierung weiterhin möglich) könnten neue Zölle und Abgaben eingeführt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir als Dienstleistungsanbieter von diesen betroffen wären, ist jedoch äußerst gering. Daher möchten wir unseren Kunden, freiberuflichen Partnern und allen anderen Mitgliedern der LingServe-Familie gerne versichern, dass das Geschäft von unserer Seite aus weiter seinen gewohnten Gang gehen wird. Wir möchten schlicht und einfach in unveränderter Weise unsere hochwertigen Leistungen für Unternehmen und Organisationen im deutschsprachigen Raum erbringen und sind uns derzeit keiner Hindernisse bewusst, die dieser Absicht im Wege stehen.

Falls Sie Fragen oder Bedenken in Bezug auf den Brexit oder unsere Dienstleistungen haben, können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden.

Auf den heutigen Tag fällt abseits des politischen Geschehens aber auch ein freudiger Anlass – unsere Kollegin Louisa ist nun seit vollen 10 Jahren bei LingServe und das ganze Team wird dieses Jubiläum heute Abend gemeinsam feiern. Nach ihrem Studium an der University of Leeds arbeitete Louisa zunächst neun Jahre als Übersetzerin und Koordinatorin in der Inhouse-Übersetzungsabteilung des Software-Konzerns SAP in Walldorf. Am 1. Februar 2010 kam sie dann zu LingServe. Genau genommen gibt es sogar doppelt Grund zum Feiern, denn wir heißen auch unsere Kollegin Jana erneut im Team willkommen. Jana verließ das Inhouse-Team von LingServe im Jahr 2018, blieb uns aber in der Zwischenzeit als Freiberuflerin erhalten. Nun ist sie wieder voll ins Team eingestiegen und fühlt sich schon wieder pudelwohl!

A book about lie-ins or a book with lies in it? (29.11.2019)

The blog is a little off our usual beat this month, but is undoubtedly topical in the current political climate, as the United Kingdom heads towards an era-defining general election.

In the past year or so, I (Richard) have recommended the book Why We Sleep: The New Science of Sleep and Dreams by Matthew Walker to various colleagues, after its message resonated with me. In some of these recommendation emails and conversations, I'm sure I used the word 'life-changing'. In fact, I know that I hesitated before advising someone to read the book because of the impact I thought it might have on them. To summarise its message, sleep is much more important than we ever thought, none of us (in the Western world at least) are getting enough of it, and that's having dramatic consequences on our health and wellbeing. Or, to put a more positive spin on it, there are few areas of life that can't be improved by getting more, or better quality, sleep.

However, as I recently discovered, a blog post has now gone viral that dismisses many of the book's claims as either pop or pseudo-science at best or blatant misrepresentation of data or fact invention at worst. I read the blog (warning, it's a long one) https://guzey.com/books/why-we-sleep/ and felt deflated and more than a little perturbed afterwards. Had I been taken in by the book? Or were its findings actually more or less accurate and I'm now being taken in by this blog post? Does Walker believe so passionately in his cause that his book is based more on bias than hard science? Who has time to check all the facts and references in their non-fiction reading anyway?

But having said all that, I think I am now getting better sleep. So, is that a placebo effect or are Walker's findings and recommendations valid overall, but perhaps dressed up with suspect fact? You'll already notice that there are many more questions being asked in this post than answers provided, and of course our remit and your time and attention are restricted. The answer in this case is that I simply don't know. Let's just say that the ball is now firmly in Walker's court for a rebuttal of the post and it is eagerly awaited.

In our times of empty promises emblazoned on the side of buses, this plays into a wider concern about what we can and cannot believe. Is a lie or exaggeration of the truth in some cases acceptable if it serves a bigger goal? Given some of the spending pledges currently being bandied around by the major British parties, you'd be forgiven for thinking it was the only way to win an election! And if the UK had voted against Brexit because of overblown claims by the Remain campaigners back in 2016, would any of us here have complained? One thing is clear, it's getting harder and harder to discern truth from untruth (I will pointedly resist using the term 'fake news'). But perhaps it was ever thus. I remember reading a health book from the 1920s that recommended waking up and having a cigarette in bed if you were suffering from insomnia. Sleep well, dear reader, but please don't light up!

Auf den Brexit, fertig, los – oder vielleicht doch nicht … (31.10.2019)

Wir schreiben das Jahr 2191. Die amtierende Premierministerin des Vereinigten Königreiches von England und Wales, Theodora Xantavia Mogg-Johnson, reist per Spitfire nach Neubrüssel, um an einer rätselhaften, jährlich stattfindenden Zeremonie teilzunehmen, die als „Brextension" bezeichnet wird. Bei diesem Treffen zwischen der britischen Regierungschefin und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Europa werden rituelle Versprechungen ausgetauscht, in denen es um den Wechsel von weinroten Pässen und geraden Bananen zu dunkelblauen Pässen und gekrümmten Bananen geht. Zum Abschluss erhält die Premierministerin eine Urkunde mit der Bestätigung, dass sie unmittelbar davor steht, die „Kontrolle zurückzugewinnen". Die Ursprünge dieses bizarren Rituals sind im Laufe der Dekaden in Vergessenheit geraten, doch eines steht fest: Bis in alle Ewigkeit sollen zukünftige Generationen diese Tradition aufrecht erhalten!

Wenn wir bei LingServe eine Frist vereinbart haben, dann würden auch wir lieber „tot im Graben" liegen, als diese nicht einzuhalten! Bei unserem Blog sind wir in dieser Hinsicht allerdings etwas großzügiger. Aber nun ist es mal wieder an der Zeit für einen neuen Beitrag zu unserem (meistens) monatlich erscheinenden Blog. Abseits von Brexit und Boris waren wir in letzter Zeit unter anderem mit Quartalsberichten für das dritte Quartal und unserer üblichen Mischung aus Finanz-, Tourismus- und Marketingübersetzungen beschäftigt. Außerdem hat sich eines unserer Teammitglieder zeitweise für eine Fortbildung nach Wien abgesetzt. Hier ist ein Bericht von Louisa zu ihrem Besuch in der zeitlos schönen Hauptstadt von Österreich:

„Bei LingServe halten wir stets die Augen nach geeigneten Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Zu meiner Freude entdeckte ich, dass ein Übersetzungsunternehmen in Wien ein Kompaktseminar zu Themenfeldern anbot, die zu meinen Übersetzungsschwerpunkten passten. Und so machte ich mich Anfang Oktober auf den Weg nach Österreich, um an vier jeweils eintägigen Kursen zu den Themen Solvency II & Geldwäsche, Finanzinstrumente & Hybridkapital, Kapitalmarktaufsicht und Risikomanagement teilzunehmen. Auf den ersten Blick vielleicht nicht die spannendsten Themen - aber ohne Zweifel äußerst relevant für unsere spezialisierte Arbeit. Die Kurse wurden von einer Expertin für das Bank- und Börsenwesen und die Kapitalmärkte geleitet, die über umfassende  Erfahrung in den Bereichen Compliance und Risikomanagement verfügte. Es war sehr nützlich und spannend, zusätzliches Hintergrundwissen zu den Fachbereichen zu erhalten, in denen ich als Übersetzerin tätig bin, und Anekdoten aus dem Geschehen „hinter den Kulissen" zu hören. Außerdem hatte ich im Rahmen der Seminare auch Gelegenheit, mich mit anderen Übersetzerinnen und Übersetzern auszutauschen, unter denen sich sowohl Mitarbeiter interner Übersetzungsabteilungen von verschiedenen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen als auch Freiberufler befanden. Sogar einen Kollegen eines ehemaligen Studienfreunds traf ich bei dieser Gelegenheit.

Wie bereits erwähnt, fanden die Seminare in Wien statt und natürlich dehnte ich meinen Aufenthalt noch um ein paar Tage aus, um Österreichs schöne Hauptstadt zu erkunden. Und an imposanten Gebäuden mangelte es wahrlich nicht. Ich besuchte mehrere Kunstmuseen, wie zum Beispiel das Albertina und das Hundertwasser-Museum, und spazierte durch den Schlosspark des Schlosses Schönbrunn. Als leidenschaftlicher Wandervogel stieg ich außerdem durch die Weinberge (in Wien!) bis hinauf zur Spitze des Kahlenbergs, wo ich mit malerischen Aussichten über die Stadt, die Donau und die umliegende Landschaft für meine Anstrengung belohnt wurde. Und nicht zuletzt diente der steile Marsch bergauf auch als ein gewisser Ausgleich zu den Unmengen an Sachertorte, die ich im Laufe der Woche verspeist hatte!"

Collaborative effort (27.09.2019)

Klicken Sie auf den Link oben, um diesen Blogeintrag zu lesen (PDF).

Musings on menu translations (31.07.2019)

The holiday season is upon us, and with it the prospect of dining in far-off locations, so we have decided to offer a few thoughts on the subject of translation in restaurants. Such businesses fall into an interesting niche in our industry. They operate on tight margins, so don't generally have the budget to have their menus professionally translated. But, when you think about it, the words they use are among the most prominent – and for some, most important – that you will come across in a foreign country. You browse a tourism brochure, glean times from a timetable, but you study a menu.

And it's a type of text where nuance is everything and where words really matter. The adjectives restaurants use to describe their food can make or break a diner's decision, so they need to employ them with care, or just stick to plain descriptions. A recent dining experience in Germany offered us the prospect of 'tangy gravy', an offputting prospect until we read the equivalent German, würzige Soße. 'Rich gravy' would have been a better choice here. Of course, menus also change regularly, often on a daily basis. And the format itself – with its obvious space restrictions – really only lends itself to translation in a handful of other languages at most. In tourist destinations, you may find separate menus for German, French, Italian, etc. but (to some) that might suggest a never-changing menu, a bored chef and a potential ceiling to the quality you can expect. Laminate at your peril in a world that increasingly expects chalk-written specials boards.

But perhaps digitalisation is changing the paradigm here. As linguists, where no translation is provided, we are perhaps more inclined to try talking to the serving staff, attempting to decipher the descriptions ourselves, or simply giving in to adventure. Members of the younger generation might instead scan the menu with one of the many gist translation apps that are available – which, for the restaurant, handily shifts the responsibility for any bloopers from table to technology.

Such is the fame afforded to menu translation fails, that dining out in a foreign land is one of the few occasions we can think of where a non-translator might notice and comment on the high quality of a translation. Usually, we want our work to go unnoticed – to not read like a translation – but here perhaps the situation is a little different.

Due to the aforementioned budget restrictions, restaurants simply aren't the kind of companies that LSPs like us would even think to target. A restaurant located in one of the hotel chains might have access to professional services, but beyond that it seems unlikely. And the German-speaking lands are perhaps slightly different from UK and US restaurants in the sense that family-run establishments are more prevalent than chains that might have greater access to centralised resources. Maybe a lone freelancer working locally might consider striking a deal where they eat for free once a month in return for ad-hoc translation services? Though we'd add at this point that translating menus can actually be very challenging! On that note, suggestions for making Handkäs mit Musik sound appetising to non-German (and even non-Hessian!) visitors are always welcome ...

Gasse zum Weissen Hirsch? (28.06.2019)

When a translator is reading, they're never truly off duty. Especially when they're reading something written in the language they translate into (for us, mainly English) that features the language they translate out of (for us, German).

Here's a case in point, which hopefully goes some way to demonstrating our appreciation of the finer points of language. The sentence below is from a Guardian article about the football team Union Berlin's recent promotion to the top Bundesliga division.

"Referee Christian Dingert ruled the goal out in the first ever use of VAR at Stadion An Der Alten Försterei (Stadium at the Old Forester's House)."

The sentence made us stop in our tracks and instantly switch to translator mode. Putting aside the merits of the actual translation of Försterei for a moment, our initial thought was - oh - that gloss, the explanation in brackets, is most distracting. While certainly not a mistake, it disrupts the flow of the text and simply doesn't provide the reader with any useful information. A piece of trivia at best, but really the name would require further explanation if that were the case.

At a stretch, we might imagine the translated name lends weight to the impression the article conveys of Union Berlin being something of an underdog. They are the first club from East Germany's Oberliga to play in the Bundesliga since Energie Cottbus were relegated in 2009; fellow East Germans RB Leipzig are essentially a brand-new club.

Had we been asked to proofread such a text we would choose to omit the gloss and leave the stadium name to stand on its own (or simply put 'Union Berlin's stadium'). Who knows - perhaps the author did the same and this was an editor's 'helpful' addition. Most non-translators would probably not have even noticed the gloss or would just have read over it or ignored it completely. But we translators are a peculiar breed. Once you become a translator, you never do read in quite the same way again

PS: For those still baffled by this blog post's title, it's our way of illustrating the point with an intentionally comical translation of White Hart Lane, the name of English football club Tottenham Hotspur's stadium.

Übersetzen ist Herzenssache (14.02.2019)

Dass die Liebe voll Irrungen und Wirrungen ist, das wusste bereits Fontane. Doch zum Valentinstag haben wir uns vorgenommen, unsere Vorstellung von der wahren Liebe einmal klar in Worte zu fassen. Unser Traumpartner (für Übersetzungen) sollte ...

... sich eine verlässliche, langfristige Beziehung wünschen
(je besser wir Ihr Unternehmen kennen lernen, desto besser können wir Ihre Texte übersetzen)
... rücksichtsvoll sein, mitdenken und uns einbeziehen
(uns auf dem Laufenden halten und uns bei Aufträgen mit knappem Zeitrahmen eine vorläufige Fassung zur Orientierung zukommen lassen)
... eine respektvolle, partnerschaftliche Beziehung anstreben
(uns auf Augenhöhe begegnen)
... sich gut und verständlich ausdrücken können
(klare und schlüssige Texte schreiben)
... uns als Partner genügend Zeit und Raum geben
(je mehr Zeit wir für eine Übersetzung haben, desto besser das Ergebnis)
... sagen was er meint, und meinen was er sagt
(klare Fristen und Anweisungen vorgeben)
... stets erreichbar und hilfsbereit sein
(unsere Rückfragen zügig und umfassend beantworten)
... über eine gute Selbsteinschätzung verfügen und seine Grenzen kennen
(keine halbgaren selbst angefertigten Übersetzungen!)
... offen und kommunikativ sein
(wir freuen uns über konstruktives Feedback – es gibt immer Dinge, die sich verbessern lassen)

Natürlich lieben wir all unsere Kunden und wissen, dass auch sie nicht perfekt sind und nicht immer all diesen Wünschen gerecht werden können. Doch um der Liebe Willen sollten wir alle stets unser Bestes geben. Und selbstverständlich ist jede Beziehung ein Geben und Nehmen. Daher würden wir uns freuen, von Übersetzungskunden und von anderen Übersetzern zu hören, was sie sich von ihrem Traumpartner (für Übersetzungen) wünschen.

Alles Gute zum Valentinstag!

Deutsch lernen – lohnt es sich überhaupt? (31.08.2018)

Mittlerweile ist es fast schon eine Tradition: Wenn hierzulande der alljährliche Termin für die Bekanntgabe der A-Level-Ergebnisse (vergleichbar mit dem Abitur) vor der Tür steht, ist es wieder an der Zeit, die schwindende Anzahl an Jugendlichen zu diskutieren, die noch über das Alter von 16 Jahren hinaus eine Fremdsprache erlernen. Es folgt einiges Händeringen, angespornt von leidenschaftlichen Plädoyers in den Zeitungskolumnen - meist von Autoren, deren Leben durch das Erlernen einer Fremdsprache auf wundervolle Weise bereichert wurde. Aber wirklich passieren tut am Ende nicht viel. Das Thema verschwindet wieder in der Schublade und ruht bis zum nächsten Sommer.

Dieses Jahr wurde die Debatte zumindest durch einige ungewöhnlichere Stellungnahmen belebt, wie zum Beispiel einen Tweet der Vorsitzenden der „Vote Leave"-Kampagne, Gisela Stuart - ein gefundenes Fressen für die Twittergemeinschaft. Nicht ohne Berechtigung kommentierten viele Nutzer, dass die Befürwortung eines Austritts aus der Europäischen Union jungen Sprachschülern wohl auch nicht gerade einen positiven Lernanstoß gebe. Im Telegraph (einer weiteren Bastion des Brexit-Lagers) wurde unterdessen eine Stellungnahme eines in Großbritannien lebenden Deutschen abgedruckt, der es der englischsprachigen Welt vereinfacht gesagt empfahl, sich gar nicht erst die Mühe zu machen, Deutsch zu lernen. Sein in humorvollem Ton verfasster Kommentar wirft dabei eine durchaus berechtigte Frage auf. Warum beharren wir in Großbritannien darauf, Fremdsprachen zu unterrichten, wenn die Erfolgsquote letztlich so gering und Englisch ohnehin de facto die globale Verkehrssprache ist?

Es werden häufig Vergleiche angestellt zwischen der Anzahl an Briten mit guten Kenntnissen einer zweiten Sprache und der Anzahl an Menschen in anderen Ländern, die eine Fremdsprache beherrschen. Dieser simple Vergleich berücksichtigt jedoch nicht die Tatsache, dass die Fremdsprache, die Menschen aus anderen Ländern beherrschen, in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle Englisch ist. Teenager in Großbritannien sind verständlicherweise deutlich weniger motiviert, Zeit und Energie in den Erwerb einer Fremdsprache zu investieren, wenn ihnen doch bewusst ist, dass ihre Muttersprache fast überall auf der Welt verstanden wird. Nur bei wenigen erwächst aus der mühsamen schulischen Pflichtübung eine Fähigkeit, die das Leben bereichert und Freude bringt. Die Anreize und folglich die Motivation zum Erwerb einer Fremdsprache spielen in nicht englischsprachigen Ländern in einer ganz anderen Liga. Menschen in diesen Ländern müssen sich zumindest ein gewisses Maß an Englischkenntnissen aneignen, um mit anderen Menschen in aller Welt - und keineswegs nur mit englischen Muttersprachlern - kommunizieren zu können. Für viele Jobs, insbesondere bei multinationalen Konzernen, sind gute Englischkenntnisse mehr oder weniger eine Einstellungsvoraussetzung. Aber wenden wir uns wieder Großbritannien zu. Ein Ökonom würde sagen, dass das Unterrichten von Fremdsprachen in der Schule für alle Beteiligten mit hohen „Opportunitätskosten" verbunden ist. Ein derart hohes Maß an Ressourcen in das Unterrichten bzw. Erlernen einer Sache zu investieren, aus der die Mehrzahl der Kinder kaum einen Mehrwert ziehen wird, erscheint auf den ersten Blick kaum sinnvoll. Dieselbe Kritik könnte man jedoch auch an vielen anderen Schulfächern üben. Und der „Return on Investment", wie die Ökonomen es nennen würden, ist auch nicht immer die beste Methode, um zu beurteilen, ob eine Maßnahme lohnend und sinnvoll ist.

Ein häufiges Gegenargument ist, dass das Erlernen einer Fremdsprache dem Lernenden eine neue Sicht auf die Welt eröffnet. Und tatsächlich haben Studien gezeigt, dass es sogar dazu beitragen kann, andere Denkfähigkeiten zu entwickeln. Die positiven Auswirkungen des Fremdsprachenerwerbs auf unsere kognitiven Fähigkeiten sind mittlerweile umfassend belegt und wir bei LingServe würden bescheiden behaupten wollen, dass unsere Teammitglieder über einen vergleichsweise breiten Horizont verfügen. Doch wie stark werden diese Vorteile wirklich in der breiten Bevölkerung wahrgenommen? Manche sagen, dass sie eine Fremdsprache trotz des britischen Schulsystems erlernt haben. Und würde sich - angesichts der vergleichsweise schwachen Fremdsprachenkenntnisse von Schülern in Großbritannien - durch eine Erhöhung der Anzahl Deutsch lernender Oberstufenschüler, zum Beispiel um das zehnfache, wirklich nennenswert etwas ändern? Der Artikel im Daily Telegraph entfachte eine lebhafte Diskussion in unserem Team, bei der sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten wurden. Die verschiedenen Meinungen umfassend darzustellen und abzuwägen würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Daher wollen wir Ihnen zum Abschluss lediglich einige Fragen mit auf den Weg geben, über die Sie in einer ruhigen Minute selbst sinnieren können. Versuchen Sie dabei auch, das Thema nicht nur aus Ihrer eigenen (als LingServe-Blog-Leser) vermutlich bilingualen Perspektive zu betrachten. Ist es für Kinder in englischsprachigen Ländern heutzutage noch lohnenswert, eine Fremdsprache zu erlernen? Oder zumindest: Ist es für unsere Schüler die Mühe wert, wenn sie Sprachen weiterhin anhand der aktuell gängigen Methoden lernen müssen, die für die meisten ganz augenscheinlich nicht effektiv sind? Es ist kaum bestreitbar, dass bei diesem Thema Handlungsbedarf besteht. Vielleicht sollten die Lösungsansätze eher qualitativ als quantitativ orientiert sein.

Le freak, c'est chic (29.06.2018)

The Japanese language has a term wasei-eigo 和製英語, which roughly translates as Made-in-Japan English. Examples of wasei-eigo include words such as salaryman, skinship (physical contact), cunning (cheating in an exam or test) and morning call (wake-up call). Though they look like English words and use English morphemes, they are either completely made up or simply not used in the same sense as a native speaker would use them. German has an equivalent tradition of pseudo-anglicisms - what we call Denglish - and these have been the subject of this blog on more than one occasion in the past. Famous Denglish words include Handy (for a mobile phone), Dressman (male model) and Talkmaster (talk show host), and they are not just a modern phenomenon. Ein Smoking (a tuxedo) can be found in books dating back to the 1920s. Today, in true Sauregurkenzeit (English: silly season) fashion, we are turning our attention to the word 'freak'.

According to the dictionary, a 'freak' is primarily a pejorative term for a person with an unusual physical abnormality. It can also be used to describe an extreme or unexpected event or situation (freak weather, a freak accident) or a person who is obsessed with a particular activity or interest. In line with this third definition, we've increasingly noticed that in colloquial German, 'freak' is used synonymously with the word 'fan' or 'geek' but often in a subtly different way to English. Here are some examples drawn from the internet and our own work in which the use of 'freak' really jumps off the page to the reader of German who is also a native speaker of English (i.e. us here at LingServe), and therefore of course would require special treatment in translation.

Frau mit Freak-Factor, the heading of a Spiegel article from 2013 about Yahoo's then newly appointed CEO Marissa Mayer, uses 'freak', presumably for alliterative purposes, where in English we would probably favour 'geek'. So if we were given this heading to translate, we might go for something like 'Geek in her DNA' or 'Getting her geek on'. Calling her a 'freak', however, would create an expectation in the English reader's mind that Marissa Mayer is abnormal in a very negative way, and perhaps even that she has some kind of physical deformity. 'Female freak factor' would retain the alliteration but open up a whole other can of worms when it comes to gender-equality in writing. And it simply wouldn't create the right (or any?) expectation of what the article to follow may be about.

In the next example, a restaurant website uses an on-trend hybrid of German and English, often quite successfully but with some notable examples to the contrary:

Tastyman5.JPG

Leaving the connotations of 'tasty man' aside, you can be driven by many things in your work - a passion for your craft, a motivation to earn money, professional pride, perhaps - but you simply can't be 'driven by freak'. Interestingly, the site also features the wording 'the (con)temporary restaurant'. This technique, of setting one morpheme off from the remainder of the word using brackets, is a popular form of wordplay in modern German. Presumably here, the intention is to highlight the pop-up nature of the restaurant by bracketing off 'temporary'. But I can't help feeling your average English reader's eyes will be drawn more heavily to the word 'con' - not particularly the kind of word you want to associate with a dining experience. But then if it works for German readers, presumably the primary audience, who are we to say what is right or wrong?

Here's an anonymised example from one of our translations

Welcher Oldtimer-Freak kennt schon den Saporoshez SAS 865A, der einst in den 60er Jahren in der DDR verkauft wurde?

Translating 'freak' as 'freak' just doesn't work in this example. It's difficult to say why, but perhaps 'freak' - quite a strong word - simply draws too much attention to itself. We found it was best replaced with 'enthusiasts'. Compare and contrast the following:

Few classic car freaks will have seen a Saporoshez SAS 865A before, a car sold in the GDR in the 1960s.

Few classic car enthusiasts will have seen a Saporoshez SAS 865A before, a car sold in the GDR in the 1960s.

Indeed, we have now become so used to having to 'translate' English words in German that it took until the last proofread of this blog to realise that we had translated Oldtimer in the sentence above as 'classic car' in English, something that to us would simply be obvious and barely worthy of comment. In English, an 'old-timer' is an alter Hase.

The bottom line is that an XY freak in German can be an XY freak in English. But not always. As with every word in translation, including those that at first glance appear to be as English as strawberries and cream at Wimbledon, it needs to be dealt with on a case-by-case basis. Interestingly, while researching this post, we came across a poster used to advertise one of the 'freaks' (not our choice of word, we hasten to add) in the sideshows that were popular until well into the 20th century. It uses the word 'nondescript' in a manner that seems quite odd to a modern reader and means almost the complete opposite of what it does today - something that is lacking in distinctive or interesting features or characteristics. Which would certainly not be the case for poor old Julia Pastrana. Thankfully, we live in more enlightened times today.

juliapastrana1.jpg

An example of a semantic shift over time rather than country borders.

Blindtext mal anders (02.01.2018)

Kommt Ihnen das gute alte „lorem ipsum“-Pseudolatein auch gelegentlich zu den Ohren heraus? Dann schauen Sie sich doch einmal diesen Gegenentwurf zum traditionellen Blindtext an, auf den wir bei Online-Recherchen gestoßen sind. Wir finden diese Version so großartig, dass wir gleich unsere eigene Übersetzung dazu angefertigt haben. Was meinen Sie?

Ich bin Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein: Man macht keinen Sinn. Man wirkt hier und da aus dem Zusammenhang gerissen. Oft wird man gar nicht erst gelesen. Aber bin ich deshalb ein schlechter Text? Ich weiss, dass ich nie die Chance haben werde, im Stern zu erscheinen. Aber bin ich darum weniger wichtig? Ich bin blind! Aber ich bin gerne Text. Und sollten Sie mich jetzt tatsächlich zu Ende lesen, dann habe ich etwas geschafft, was den meisten "normalen" Texten nicht gelingt.

I am placeholder text and always have been. It took a long time before I understood what it meant to be placeholder text. I don't make any sense. It sometimes seems like I don't belong where I am. Often people don't even read me. But does that then mean I'm badly written? I know I'll never have the chance to see my name up in lights. But does that mean I'm any less important? I am what I am. I enjoy being text. And if you do now read me right to the end, then I'll have achieved something that most normal texts can only dream of.

Ich sehe was, was du nicht siehst! (29.08.2017)

Häufig werden wir von unseren Kunden für unsere „Adleraugen" gelobt. Dabei schätzen sie nicht nur die Tatsache, dass wir stets sowohl die allgemeine Kernbotschaft als auch die feineren Nuancen ihrer Texte treffend in der Übersetzung wiedergeben, sondern auch, dass wir Tippfehler, Mehrdeutigkeiten, sachliche Ungenauigkeiten und logische Inkonsistenzen bemerken und aufzeigen, die dem Autor des Ursprungstextes gar nicht aufgefallen waren. Dies hängt damit zusammen, dass der Verfasser eines Textes meist so in seinen eigenen Gedankengang vertieft ist und selbst so genau weiß, was er sagen möchte, dass er Mankos in seiner Verschriftlichung einfach übersieht und nicht imstande ist, den Text aus Sicht des Lesers zu betrachten. Aus dem gleichen Grund ist auch das Vier-Augen-Prinzip so wichtig, um eine hohe Übersetzungsqualität zu gewährleisten: Ein zweites Paar Augen kann mit einem frischen Blick häufig Unstimmigkeiten finden und „ausbügeln".

Nehmen wir den folgenden Satz als Beispiel. Es ist wichtig, dass Sie zuerst den übersetzten englischen Satz lesen, so wie wir es auch im Rahmen unserer Vier-Augen-Prüfung tun:

Besides Facebook, Amazon, Netflix and Google make up the FANG cohort.

Neben Facebook sind Amazon, Netflix und Google Teil des FANG-Kaders.

Wahrscheinlich mussten Sie diesen Satz zweimal lesen, um zu verstehen, was gemeint ist. Beim erneuten Lesen wird offensichtlich, dass nach dem Wort „Facebook" eine Pause erfolgen sollte und die vier Firmennamen nicht als eine laufende Aufzählung zu verstehen sind. Dies war dem Übersetzer vermutlich aufgrund der deutschen Formulierung „Neben Facebook" klar. Doch für den Leser der englischen Übersetzung ist es nicht mehr eindeutig, da er den deutschen Text nicht als Verständnishilfe heranziehen kann. Das vorstehende Beispiel veranschaulicht auch die Probleme, die durch eine allzu wörtliche Übersetzung von „neben" entstehen können, wenn dieses Wort am Satzanfang steht. Durch eine freiere Formulierung lässt sich die Mehrdeutigkeit vermeiden:

Facebook, Amazon and Netflix and Google make up the FANG cohort

The FANG cohort is made up of Facebook together with ... 

Besides Facebook, other members of the FANG cohort include ...

Das Aufgreifen inhaltlicher Fehler und Inkonsistenzen ist eine Leistung, zu der maschinelle Übersetzungstools auch in absehbarer Zukunft nicht fähig sein werden, und die einen wichtigen Mehrwert für unsere Kunden darstellt. Üblicherweise geschieht dies im Rahmen eines fließenden, zyklischen Arbeitsablaufs, in dem wir in Zusammenarbeit mit unseren Kunden etwaige Anpassungen sowohl im Ausgangs- als auch im Zieltext anregen bzw. selbst vornehmen.

Mit dieser Arbeitsweise befinden wir uns in guter Gesellschaft. Der berühmte Schriftsteller und Intellektuelle Günter Grass hatte zu diesem Thema Folgendes zu sagen:

„Übersetzer sind die genauesten Leser. Sie nehmen den Autor beim Wort. Unerbittlich sind sie ihm auf der Spur. Sie finden sich nicht bereit, Unverständliches oder dem Autor unterlaufene Ungenauigkeiten als ein nach diffuser Vieldeutigkeit verlangendes Symbol hinzunehmen. Sie wollen es genau wissen. Sie penetrieren den Autor.”

Deshalb hielten Grass und seine Verleger jedes Mal, wenn ein neues Buch des Autors erschien, einen Workshop für die Übersetzer ab. Über die Jahre hinweg entwickelte sich daraus eine Tradition, die von den Übersetzern sehr geschätzt wurde. Grass nahm in der Regel auch selbst an den Workshops teil, die mitunter bis zu einer Woche dauerten.

Der für seine Spionageromane bekannte Autor und erklärte Germanophile John le Carré beschreibt ähnliche Erfahrungen wie Grass. In einer Ansprache in der deutschen Botschaft in London anlässlich einer Preisverleihung für Deutschlehrer sagte er:

„Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass die gewissenhaftesten Lektoren meiner Romane nicht diejenigen sind, deren Muttersprache Englisch ist, sondern meine fremdsprachigen Übersetzer, die mit Argusaugen jede Tautologie und jede sachliche Unstimmigkeit finden, von denen mir viel zu viele unterlaufen. Meine deutschen Übersetzer kosten mich in dieser Hinsicht besonders viele Nerven.”

Natürlich ist es nicht unsere Absicht, unseren Kunden auf die Nerven zu gehen. Doch wir hoffen, dass die Worte von John le Carré zum Ausruck bringen, warum wir oft und gerne nachfragen und weshalb wir häufig sogar kleine Fehler bemerken, die dem Auge des Verfassers schlicht und einfach entgehen. Das mag daran liegen, dass der Autor nicht in der Lage ist, seinen Text selbst mit der nötigen Distanz zu betrachten. Möglicherweise setzt er ein bestimmtes Vorwissen zum Verständnis des Textes voraus, über das ggf. nicht alle Leser verfügen. Häufig kann innerhalb des kulturellen Kontexts der Ausgangssprache ein Vorwissen angenommen werden, das für die Leserschaft einer Übersetzung nicht in gleichem Maße gilt.

Dank unseres untrüglichen Spürsinns für Fehler bei vorangegangenen Aufträgen wurden wir sogar schon gebeten, einen deutschen Bericht vollständig Korrektur zu lesen, bevor er zum Druck freigegeben wurde. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass wir Fehler deutlich weniger zuverlässig aufspüren, wenn wir einen Text nur lektorieren. Wenn wir hingegen eine Übersetzung anfertigen und dabei denselben Satz mehrfach lesen, recherchieren und jede Bedeutungsnuance nochmals prüfen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns Unstimmigkeiten auffallen, sehr viel höher.

Und selbst wenn uns an dieser Stelle einmal ein Fehler durchgehen sollte, würde dieser spätestens im zweiten Schritt unseres internen Übersetzungsprozesses auffallen - der Prüfung durch ein zweites, erfahrenes Teammitglied nach dem „Vier-Augen-Prinzip". Wie auch das Wort „konsequent" ist dies ein weiterer Ausdruck im Deutschen, der sich schwierig in eine andere Sprache übertragen lässt und einer Übersetzung bedarf, die auf den individuellen Kontext zugeschnitten ist. Und auch ein „falscher Freund" lauert hinter dem Vier-Augen-Prinzip: mit „four-eyes" bietet das Englische keineswegs eine Entsprechung zu dem deutschen Konzept an, sondern vielmehr eine auf dem Schulhof sehr beliebte, aber äußerst abfällige Bezeichnung für einen Brillenträger oder eine Brillenträgerin.

Macht's euch hyggelich - eingewanderte Wörter (04.11.2016)

Ein Aspekt dieses Blogs der dem Autor stets besonderes Vergnügen bereitet ist das Bestreben, die deutschen Muttersprachler, deren Aufgabe es ist, seine Gedankenflüge in die deutschen Sprache zu übertragen, regelmäßig mit neuen „unübersetzbaren" Überschriften zu konfrontieren. Und dieses Mal ist es ihm gelungen, worauf er zweifellos stolz sein wird.

Andererseits bedeutet das aber auch, dass man als Übersetzer Spielraum hat, selber kreativ zu werden. Je nach Textart muss sich eine Übersetzung mehr oder weniger strikt am Originaltext orientieren, oder darf sich in Ausnahmefällen - beispielsweise bei unserem eigenen Blog - auch davon entfernen, solange es für den Leser interessant und relevant bleibt.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Was bitte ist „hygge", und wieso schreiben wir darüber? Wer in Großbritannien lebt und in den letzten Monaten die Medien verfolgt hat, wird an dem Wort kaum vorbeigekommen sein. Dieser dänische Ausdruck tauchte praktisch aus dem Nichts auf und ist momentan das absolut trendigste Modewort der Lifestyle-Magazine. Doch was bedeutet es? Definitionen gibt es reichlich, die Website VisitDenmark beschreibt es recht treffend:

Schwer zu erklären und noch schwieriger auszusprechen, das dänische Wort „hygge" (klingt etwa wie „flügge") könnte man als „behaglich" übersetzen, doch diese Definition wäre zu eng.

Für die Dänen bedeutet „hygge" ein angenehmes, warmes Ambiente, das Genießen der guten Dinge des Lebens, umgeben von netten Leuten. Der warme Schein von Kerzenlicht ist „hygge". Freunde und Familie - auch die sind „hygge". Und nicht zu vergessen Essen und Trinken - am Besten während man zusammen um einen Tisch sitzt und stundenlang die großen und kleinen Dinge des Lebens erörtert.

Klingt irgendwie bekannt? Das sollte es für Deutschsprachler auch. Als hierzulande die Diskussion um „hygge" begann, dachten wir als Übersetzer nur: „Ach so, die meinen halt Gemütlichkeit". Es wird zwar oft behauptet, die Bedeutung dieses Wortes drücke eine Besonderheit der deutschen Psyche aus, doch die Holländer könnten hier beispielsweise mit ihrer „Gezelligheid" kontern. Jedenfalls scheint der Grundgedanke von „hygge" nicht exklusiv dänisch zu sein. Und was die Unübersetzbarkeit angeht, so mag es sein, dass es im Englischen kein einzelnes völlig entsprechendes Wort gibt - obwohl der englische Ausdruck „convivial" der Bedeutung in bestimmten Zusammenhängen nahekommt. Doch hier bei LingServe machen wir es uns nie leicht, und wir schrecken auch nicht davor zurück, so viele Worte wie nötig zu benutzen, um „Gemütlichkeit" hinreichend zu erklären. Wir sind sogar so daran gewöhnt, „Gemütlichkeit" stets entsprechend des jeweiligen Zusammenhangs zu übersetzen, dass wir in unserem Wörterbuch nur zwei Einträge dafür haben. Aber die sind beide Paradebeispiele dafür, dass dieses kulturspezifische Wort ein gewisses Maß an Erklärung benötigt, um die Bedeutung zutreffend zu vermitteln:

German gemütlichkeit – that warm feeling you get inside when sharing good food in good company.

‌‌The proverbial German gemütlichkeit is difficult to explain. But you won't go far wrong if you think of good food, good company, a drink or two and plenty of time to enjoy it all!

Es kann schon etwas irritierend sein, wenn einem ständig gesagt wird, man hätte in der eigenen Kultur kein passendes Gegenstück zu „hygge" bzw. „Gemütlichkeit", nur weil es dafür kein spezielles Wort gibt. Mit einer Tasse heißer Schokolade in der Hand im Kreis von Freunden und Familie am offenen Kamin zu sitzen ist zweifellos gemütlich oder „hyggeligt", auch wenn man im Englischen für dieses Gefühl vielleicht keinen besonderen Namen hat. (Klingt aber ganz schön "cosy", oder?) Es gibt auch kein deutsches Pendant zu dem englischen Ausdruck „vicarious", aber das heißt noch lange nicht, dass die Deutschen nicht in der Lage sind, die Handlungen bzw. Gefühle eines anderen im Geiste miterleben zu können.

Die englische Sprache ist im Zweifelsfall auch gern bereit, Fremdwörter zu importieren, wenn ausreichend Bedarf besteht. „Zeitgeist", „Weltschmerz", „Realpolitk" - das sind nur ein paar der oft und gerne verwendeten deutschen Einwanderer. Doch für die Gemütlichkeit dürfte es wohl zu spät sein. Die enorme Popularität von „hygge" zeigt, dass hier ein Mangel vorliegt, aber diesmal wird er wohl durch die dänische Sprache behoben werden. Vielleicht ein Grund für etwas Schadenfreude, ein weiteres beliebtes Lehnwort im Englischen (denn über solch niederen Gefühlen stehen die Engländer natürlich drüber, so dass sie kein eigenes vergleichbares Wort besitzen). Auf diese Diskussion möchten wir uns lieber nicht einlassen. Generell wird aber jede Sprache bereichert, wenn es sich der eine oder andere Einwanderer gemütlich macht – nicht zuletzt auch im Sinne der Völkerverständigung.

 

Frage: Wie viele Übersetzer braucht man, um eine
Glühbirne zu wechseln?

Antwort: Das kommt auf den Zusammenhang an ... (29.07.2016)

Das ist einer der Lieblingswitze bei uns im Büro. Wie alle guten Witze ist er gerade deshalb so lustig (jedenfalls für Übersetzer), weil der Grundsatz stimmt. Denn ohne Kontext ist man als Übersetzer aufgeschmissen. Das gilt auch generell, wenn es um Sprache geht. Die Bedeutung von Wörtern hängt eben auch davon ab, wo genau sie sich auf der gedruckten Seite bzw. auf dem Bildschirm befinden, und wie sie dort verwendet werden. Dazu kommt noch die anvisierte Zielgruppe und - vor allem beim gesprochenen Wort - der Tonfall und die jeweilige Absicht des Sprechers (siehe auch "Eindeutig zweideutig"). So funktionieren Sprachen nun mal (und das ist auch der Grund, weshalb Maschinenübersetzung noch immer mehr schlecht als recht funktioniert). Wozu also dieser Blogbeitrag? Hin und wieder erhalten wir Listen mit einzelnen Wörtern oder Textfragmenten zur Übersetzung, ohne jeglichen Hinweis auf deren beabsichtigte Verwendung oder, noch viel wichtiger, das weitere Umfeld bzw. den Gesamtzusammenhang.

In solchen Fällen versuchen wir natürlich immer den Kontext zu ermitteln, und zwar aus folgenden Gründen:

Wenn Kunden eine Übersetzung bestimmter Stichwörter für ihren Internetauftritt wünschen, dann benötigen wir mehr als nur eine Auflistung dieser Wörter. Wir brauchen außerdem einen Link zu der jeweiligen Website, einen Screenshot, oder zumindest eine genaue Erklärung des Verwendungszwecks der Wörter. Ein Beispiel aus dem Tourismus: Das Wort Anreise könnte die Überschrift der allgemeinen Anfahrtsbeschreibung für einen bestimmten Ort sein, aber ebenso gut die Beschriftung eines Datumsfeldes für den Ankunftstermin, z. B. für ein Hotel. Dementsprechend würden sich ganz unterschiedliche Übersetzungen anbieten, hier z. B. „Travel information" („Reiseinformation") bzw. „Date of arrival" („Ankunftsdatum").

Präpositionen bereiten uns ebenfalls Kopfzerbrechen, wenn wir ganz ohne Kontext arbeiten müssen. Bei dem Wörtchen „von" können wir beispielsweise ohne näheren Zusammenhang nur raten, worum es sich handelt:

- „from" im Sinne von „von A nach B"
- „of" im Sinne von „Das Mitbringen von Tieren ist unzulässig"
- „by" im Sinne von „Das Gemälde wurde von Leonardo da Vinci gemalt"

Oft ist es auch schwierig zu erkennen, ob ein deutsches Substantiv in der Mehrzahl verwendet wird, besonders bei Bildtiteln, wo das Bild den Zusammenhang verdeutlicht. So wissen wir zum Beispiel ohne das zugehörige Foto nicht, ob sich das Wort „Radfahrer" auf einen oder mehrere Radler bezieht. Auch bei „Mädchen am Brunnen" könnte es sich um ein einzelnes Kind oder um eine ganze Gruppe handeln. Und wir können auch nicht sicher sein, ob es um einen Springbrunnen oder um eine Stelle zum Wasserschöpfen geht (auf Englisch „fountain" bzw. „well").

Wo wir schon mal bei den Substantiven sind: Im Deutschen werden sie immer groß geschrieben, im Englischen jedoch nicht. Besonders bei der Übersetzung von Webformularen müssen wir daher absolut sicher sein, ob einzelne Substantive für sich alleine verwendet werden - und in diesem Falle auch im Englischen groß geschrieben werden - oder ob davor eine Variable steht. Sollten wir „Tage" schlicht als „Days" übersetzen, oder steht davor noch eine Zahl? In diesem Fall wäre die richtige Übersetzung nämlich das klein geschriebene „days".

Im Idealfall würden wir die Textfragmente nicht nur in ihrem ursprünglichen Zusammenhang sehen, damit wir beim Übersetzen darauf Bezug nehmen können, sondern hätten auch Gelegenheit, das Endprodukt unserer Übersetzung zu begutachten. So könnten wir prüfen, ob sich alles gut liest bzw. anhört, und bei Bedarf ggf. Verbesserungen vorschlagen. Kurz und gut: Je mehr wir über den Zusammenhang wissen, desto besser wird die Übersetzung.

Out, but not down: Davon geht die Welt nicht unter. (24.06.2016)

So sehr wir persönlich diese Entscheidung bedauern und sie als Rückschritt sehen, das britische Volk hat entschieden: es ist sein demokratischer Wille, dass unser Land die Europäische Union verlassen soll. Der Trennungsprozess an sich wird lang und kompliziert werden, und über die kommenden Monate und Jahre zweifellos beträchtliche politische und wirtschaftliche Turbulenzen zur Folge haben.

Es gibt für diese Situation keinen Präzedenzfall, und generell herrscht Unklarheit darüber, wie die zukünftige Beziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union letztendlich aussehen wird. Im Prinzip steht nun alles zur Verhandlung.

Ungeachtet des Ausgangs der bevorstehenden Verhandlungen können wir jedoch unseren Kunden schon jetzt versichern, dass sich an der Beziehung zwischen LingServe und seinen Kunden im restlichen Europa nichts ändern wird. Der Volksentscheid hat weder auf unseren Service noch auf die Qualität unserer Übersetzungen den geringsten Einfluss, und es wird keine Änderungen in der Preisgestaltung, Abrechnung oder den Zahlungsmodalitäten für unsere Dienstleistungen geben.

Trotz der Entscheidung unseres Landes, die Beziehungen zu unseren Nachbarn jenseits des Ärmelkanals und der Nordsee abzubrechen bzw. neu zu gestalten, sehen wir uns weiterhin als Teil einer größeren europäischen Gemeinschaft und freuen uns darauf, die Verbindungen zu unseren Kunden in ganz Europa weiter auszubauen.

Bleiben oder gehen (03.06.2016)

Es nähert sich der Tag, an dem sich das Schicksal unseres Landes in Europa entscheidet, und im Betrieb, am Stammtisch und in der Familienrunde gibt es kaum ein anderes Gesprächsthema. Die Spannung knistert förmlich als man landauf, landab versucht, das äußerst ungewisse Ergebnis vorauszusagen. Doch genug von der Fußball EM 2016! Wir wollen uns stattdessen mit dem bevorstehenden EU-Referendum beschäftigen.

Hier bei LingServe sind wir weitaus enger in die gesamteuropäische Wirtschaft eingebunden als fast alle anderen Firmen in Großbritannien. Der Anteil unserer aus Großbritannien stammenden Umsätze beträgt einen Bruchteil von einem Prozent. Wir kommunizieren und kooperieren täglich mit unseren Kunden und Geschäftspartnern in Deutschland und im weiteren europäischen Ausland. Dazu kommt, dass wir alle schon auf dem europäischen Festland gelebt bzw. gearbeitet haben und eine eher weltoffene Lebenseinstellung haben, und von daher instinktiv sowohl den Verbleib in der EU als auch die weitere Stärkung der Verbindungen Großbritanniens mit seinen Nachbarn jenseits des Ärmelkanals befürworten.

Was unser Geschäft angeht, so sehen wir dem Ergebnis des Referendums eher gelassen entgegen. Selbst wenn die Brexiter siegen sollten, wird sich wahrscheinlich in Bezug auf unsere tagtägliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden in Deutschland und anderswo in Europa relativ wenig ändern. Wir würden weiterhin genau denselben hochwertigen Service anbieten wie zuvor. Auf der Makroebene gäbe es natürlich Schockwellen, die zu kurzfristiger wirtschaftlicher Volatilität führen würden, und u. U. die Struktur und den Zusammenhalt der gesamten EU nachhaltig destabilisieren könnten.

Bislang zeichnet sich die Kampagne für das Referendum auf beiden Seiten der Debatte durch Angstmacherei und bewusste Falschinformationen aus. Das liegt zweifellos nicht zuletzt an der kalkulierten Berechnung, dass negative Botschaften Wirkung haben, und auch daran, dass auf beiden Seiten des Argumentes einfach nicht viele harte Fakten vorliegen. Tatsache ist, dass diejenigen, die dafür stimmen, in der EU zu bleiben, nur eine geringe Vorstellung davon haben, wie eine zukünftige Europäische Union aussehen wird, und welche Richtung sie einschlägt. Und diejenigen, die dafür stimmen, die EU zu verlassen, können den Ausgang zukünftiger Verhandlungen über die Details der Beziehung zwischen Großbritannien und der EU nicht voraussehen, und wissen nicht einmal, ob die Union zwischen Schottland und England den Brexit überleben würde.

Alles deutet auf ein knappes Ergebnis hin, und wir erwarten das Resultat mit Spannung. Wir haben vor, nach dem Referendum ein weiteres Blog zu veröffentlichen, das unsere Ansichten zum Ergebnis beschreibt. Wenn nur alles im Leben so sicher wäre wie beim Fußball. Wie Gary Lineker, ehemaliger englischer Nationalspieler und heutiger TV-Moderator, einmal sagte: „Fußball ist ein einfaches Spiel. Zweiundzwanzig Männer laufen für 90 Minuten einem Ball hinterher, und am Ende gewinnen immer die Deutschen."

Ordnung muss sein (29.01.2016)

Von Richard North

Beim Lesen von „Spark Joy", dem neusten Werk der japanischen Aufräumexpertin Marie Kondo - einem Buch, das zweifellos meinen Ordnungssinn als Übersetzer anspricht - wurde mir plötzlich bewusst, dass sich meine Aufmerksamkeit zum größten Teil auf die Entscheidungen des Übersetzers richtete, und ich mich fragte, welche exotische japanische Redewendungen wohl hinter den im Englischen verwendeten Ausdrücken stehen. An dieser Stelle muss ich kurz erklären, dass sich meine Kenntnisse der japanischen Sprache weitgehend auf arigato und konichiwa beschränken. Aber an bestimmten Stellen im Buch habe ich mich doch gewundert, warum der Übersetzer diese oder jene Entscheidung getroffen hat, und was ich vielleicht anders gemacht hätte. Zum Beispiel im folgenden Absatz:

„Ich werde eh nie richtig aufräumen können, da ich Blutgruppe B habe." (In Japan herrscht der weitverbreitete Glaube, dass die Blutgruppe sich auf die Persönlichkeit auswirkt. So sollen Menschen mit Blutgruppe A stärker zu Ordnung und Sauberkeit neigen als die der Blutgruppe B.)

Der Hinweis auf diese kulturelle Besonderheit macht eine zusätzliche, recht ausgiebige Erklärung notwendig. Im Englischen bezeichnet man eine solche Erklärung generell als „gloss" (Erläuterung). Ich sehe fast den Übersetzer am Schreibtisch sitzen und an seinem Stift kauen bzw. sich grübelnd das Kinn kratzen, tief in Gedanken versunken darüber, wie dieser Satz am besten zu handhaben wäre. Eine etwas nüchternere Alternative wäre:

„Ich werde eh nie richtig aufräumen können, da es nicht in meiner Natur liegt."

Bei dieser Formulierung kommt man ohne lange Erklärung aus, aber sie ist etwas fantasielos, vielleicht auch nur deshalb, weil wir die andere Version zum Vergleich haben. Für den Zweck des Buches - dem Leser beizubringen, wie man auf japanische Art aufräumt - ist dieser „gloss" zwar nicht erforderlich, aber er macht das Ganze auf jeden Fall interessanter und fügt auch ein wenig Lokalkolorit hinzu, wie wir Übersetzer gerne sagen. So könnte ich jetzt auf einer Party (ja, auch Übersetzer werden trotz ihres Ordnungswahns ab und zu auf Partys eingeladen) anderen Gästen mit der Erkenntnis aufwarten, dass die Japaner glauben, die Blutgruppe würde die Persönlichkeit beeinflussen. Auch im Rahmen unserer Arbeit müssen wir häufig kulturelle Bezüge erklären. Vor kurzem übersetzten wir einen Text, in dem der Karneval in Bremen folgendermaßen beschrieben wurde:

Hier ist das Motto „Samba statt Kamelle".

„Samba" ist ein Wort, dass man auch im Englischen mit Karneval in Verbindung bringt, jedoch nicht „Kamelle" - es sei denn, man hat schon mal einen deutschen Karneval besucht. Nach einer längeren Debatte zwischen Übersetzer und Prüfer entschieden wir uns dafür, ein paar Sätze zuvor eine kurze Erklärung der Kamellen als „sweets" (also Süßigkeiten) einzufügen, die den Leser auf die spätere Verwendung des Ausdrucks vorbereitet:

The region's carnivals, during which sweets are thrown into the crowds, ...[In dieser Region, wo beim Karneval Süßigkeiten in die Menge geworfen werden ...]

At the Bremen carnival, the focus is less on sweets and more on samba. [Auf dem Bremer Karneval steht eher der Samba im Mittelpunkt als die Süßigkeiten.]

Zum Vergleich ein einfacheres Beispiel, bei dem eine Erklärung in Klammern steht:

At the Bremen carnival, the focus is less on sweets (a German carnival tradition) and more on samba. [Auf dem Bremer Karneval steht eher der Samba im Mittelpunkt als die Süßigkeiten (ein deutscher Karnevalsbrauch).]

Wir könnten natürlich „sweets" ganz weglassen, schließlich dient die Kamelle im deutschen Original eher dem Rhythmus des Textes als der Information, aber dann würde der Text ein wenig an Charme und Lokalkolorit einbüßen. Der Übersetzer sollte immer das Zielpublikum und den Zweck des Textes im Sinn haben. Hier geht es darum, Besucher nach Bremen zu locken; je mehr Lokalkolorit wir also vermitteln können, desto besser.

Mit Übersetzern verhält es sich ähnlich wie mit Schiedsrichtern im Fußballspiel - wenn sie ihre Arbeit gut machen, bemerkt man sie gar nicht. Und genau wie ein Schiedsrichter, der selbst als Zuschauer zwangsläufig die Entscheidungen seines Kollegen auf dem Spielfeld kritisch beurteilt, hat ein Übersetzer, der eine Übersetzung liest - auch wenn er keine Kenntnisse der Originalsprache hat - ein ganz anderes Leseerlebnis als der Durchschnittsleser.

Die Zeichensetzung – wo setzen Sie Ihr Zeichen? (04.12.2015)

In einem Blog auf der Webseite www.dailywritingtips.com von April 2014 zitiert die Autorin die Rechtschreibbibel „Fowlers Modern English Usage" im Rahmen einer Diskussion über die korrekte Setzung eines Kommas nach „e.g." (z.B.) wie folgt: „ob ein Komma folgt oder nicht ist gleichgültig, oder genauer, die Entscheidung hängt vom Punctuation Pitch des Verfassers ab ...".

Der Begriff „Punctuation Pitch", also eine Art innerer Stimmlage, oder Gefühl, für die korrekte Zeichensetzung, fand bei mir als Übersetzer, dessen Arbeit besonders sorgfältig von Kollegen geprüft wird, und der wiederum selbst die Arbeit anderer Übersetzer prüft, besonderen Anklang. Was klar wird, ist dass jeder seinen eigenen „Punctuation Pitch" hat, einen inneren Kompass also, welcher einem bei der Entscheidung, ob Komma oder nicht, bei solchen Grauzonen richtungsweisend dient.

Daher ist es nicht leicht, eine Firma von sieben fest angestellten Übersetzern und mehreren zuverlässigen freien Mitarbeitern in Sachen „Punctuation Pitch" auf eine gemeinsame Linie zu bringen, auch wenn es einen internen Styleguide gibt. Dies läßt sich anhand einer ganz simplen Frage verdeutlichen:

Welche der folgenden Antworten ist Ihrer Meinung nach korrekt? A oder B; oder sind beide korrekt?

„In 2012 the country went to the polls."

„In 2012, the country went to the polls."

Wenn Sie allen LingServe-Mitarbeitern diese Frage stellen, bekommen Sie wahrscheinlich keine einstimmige Antwort. Der einzige Unterschied zwischen den beiden ist natürlich das Komma nach 2012. Der Sinn ist in beiden Fällen klar; ob aber nach dem Jahr ein Komma folgt, ist am Ende wohl eher Geschmackssache. Glücklicherweise existiert in der deutschen Sprache solche Ungewissheit nicht. Ein Königreich für einen Duden, wie wir schon öfter gesagt haben.

In manchen Fällen hilft das Komma, um Zweideutigkeit in einem einleitenden Nebensatz zu vermeiden. Ein klassisches Beispiel ist der Vergleich zwischen „It's time to eat Grandma" (Es ist Zeit, Oma zu fressen!) und „It's time to eat, Grandma" (Oma! Essen ist fertig!). Und wenn Sie „In 2013 cases of counterfeit automotive parts were vigorously prosecuted," sehen, dann verstehen Sie vielleicht zuerst, es wären 2013 Fälle vorgekommen. Unwahrscheinlich, aber nicht undenkbar. Soll man also in diesem Fall ein Komma setzen, aber in allen anderen Fällen im Text nicht? Wäre das nicht inkonsistent? Vielleicht ja, aber man sollte den ästhetischen Aspekt nicht außer acht lassen. Zu viele Kommas können einen Text zäh machen, und wir denken an erster Stelle an den Leser.

Im Beispiel oben erfüllt „In 2013" den Zweck eines einleitenden Nebensatzes, und es gibt im Internet eine Menge zum Teil widersprüchlicher Meinungen und Tipps dazu, wie man hier nun das Komma setzt. Manch einer empfiehlt, dass man nach bestimmten einleitenden Nebensätzen gar kein Komma setzt, und gibt eine willkürlich festgelegte Anzahl von Wörtern (normalerweise vier oder fünf) an, die ein solcher einleitende Nebensatz mindestens enthalten soll.

Manche haben lieber so wenige Kommas wie möglich in ihrem Text. Andere wiederum bleiben einfach bei dem, was sie kennen. Keiner liegt hier falsch oder richtig, es gibt schlagkräftige Argumente für beide Seiten. Und wie steuern wir nun bei LingServe durch das Minenfeld der Zeichensetzung? In erster Linie mithilfe unseres Styleguides, der einige allgemein gültige (aber nicht unabänderliche) Rahmenbedingungen festlegt. Und in zweiter Linie durch unser individuelles Urteilsvermögen, mit dem wir ein ausgewogenes Verhältnis von Verständlichkeit, Konsistenz und Leserfreundlichkeit anstreben.

Englisch ins Englische übersetzen? (30.10.2015)

Wenn wir in einem deutschen Text auf ein englisches Wort stoßen, dann gehen wir hier bei LingServe grundsätzlich davon aus, dass es „übersetzt" werden muss. Die Annahme, dass man ein englisches Wort einfach vom deutschen Text ins Englische übernehmen kann, zeugt nicht bloß von Faulheit, sondern kann oftmals für den Leser regelrecht irreführend sein. Das liegt daran, dass Worte, die aus einer anderen Sprache stammen, bei der Übernahme häufig angepasst werden, sowohl semantisch wie auch morphologisch. Am besten läßt sich das anhand einiger Praxisbeispiele aus kürzlich von uns übersetzten Texten veranschaulichen:

"Dabei ist man für Partnerschaften offen und arbeitet mit Universitäten, führenden Konzernen aus anderen Technologiefeldern und Offshore-Engineering-Unternehmen in Indien zusammen."

„Offshoring" ist ein Konzept, dass aus der internationalen Geschäftswelt stammt - ähnlich dem Outsourcing - und wobei bestimmte Unternehmenstätigkeiten vom einem (normalerweise Hochkosten-)Land in ein anderes (normalerweise Niedrigkosten-)Land verlagert werden. Der Begriff „Offshoring" hat seinen Ursprung im Englischen und wird dort bedeutungsgleich verwendet, aber in diesem konkreten Fall macht der deutsche Autor einen semantischen Sprung und bezeichnet die betroffenen Firmen als „Offshore-Engineering-Unternehmen". "Offshore engineering" hat für den englischsprachigen Leser allerdings ganz andere Assoziationen, und zwar die Errichtung von Ölbohrinseln und Windparks auf hoher See (oder „offshore", wie der Engländer sagt). Man braucht nur die Worte „offshore engineering" bei Google Bilder einzugeben, um zu sehen, welche Vorstellungen generell mit dem Ausdruck in Verbindung gebracht werden.

Die kleine Silbe „off" kann auch anderswo Probleme aufwerfen. In der Finanzwelt gibt es eine Methode, bei der bestimmte Aktiva und Passiva nicht in der Bilanz ausgewiesen werden, häufig mit positiven Auswirkungen auf die bilanzbezogenen Kennzahlen des Unternehmens. Diese Posten bezeichnet man im Englischen als „off-balance-sheet items". In Ermangelung eines passenden deutschen Äquivalents, und vielleicht auch weil ein Großteil der dubiosen Bilanzierungspraktiken ihren Ursprung in der angelsächsischen Finanzwelt haben, hat das deutsche Finanzwesen den Begriff ganz einfach übernommen. Bei der Übernahme wurde er allerdings angepasst, wobei das Wort „sheet" der Einfachheit halber häufig weggelassen wird und man somit die Posten lediglich als „off-balance" bezeichnet. Vermutlich ist das nicht zuletzt auf eine gefühlte Nähe zur eigenen Muttersprache zurückzuführen, da das englische „balance sheet" im Deutschen schlicht und ergreifend „Bilanz" heißt, was ja ganz ähnlich klingt. Was liegt da näher, als „balance" einfach mit „Bilanz" gleichzustellen und es als praktische Kurzform zu verwenden? Als vor kurzem deutsche Vertreter einer der „großen Vier" Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (wir wollen hier keine Namen nennen) einen von uns übersetzten Text überprüften, wurden wir angewiesen, unsere Übersetzung „not reported on the balance sheet" in „off-balance" umzuändern. Wir mussten das natürlich ablehnen, und haben dem Kunden erklärt, dass „off-balance" im Englischen bedeuten würde, dass das jeweilige Bezugsobjekt sich nicht im Gleichgewicht befindet, und damit kurz davor steht, umzufallen. Nicht gerade die gewünschte Aussage:

seagull.jpg

Vorbild Schweiz (13.07.2015)

Ende letzten Jahres machte ein Schweizer Museum Schlagzeilen als es bestätigte, dass es den Nachlass des deutschen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt annehmen würde. Dieser hatte eine Vielzahl von Kunstwerken in seiner Münchener Wohnung gehortet, die zum Teil unter dem Verdacht stehen, NS-Raubkunst zu sein. Es handelte sich dabei um das Kunstmuseum Bern, auch bekannt als „Museum of Fine Arts Bern" bzw. „Musée des Beaux-Arts de Berne".

Wir möchten hier nicht die moralischen Aspekte dieser Entscheidung diskutieren, aber uns fiel wieder einmal auf, wie sich die Namensgebung deutsch-schweizerischer Institutionen vom Rest der deutschsprachigen Welt unterscheidet. In einer Nation mit vier offiziellen Amtssprachen sind die staatlichen Einrichtungen bestens darauf eingestellt, den Bedürfnissen derjenigen Rechnung zu tragen, die andere Sprachen sprechen. Die meisten Museen im deutschsprachigen Teil der Schweiz haben zumindest eine französische und oftmals auch eine italienische Übersetzung ihres Namens parat. Und wenn man schon mal dabei ist, dann kann man scheinbar auch gleich einen englischen Namen für das internationale Publikum mitliefern.

Daran könnte sich die übrige deutschsprachige Welt ruhig ein Beispiel nehmen. Eine offizielle oder auch nur passende englische Übersetzung für die Namen deutscher Institutionen zu finden kann eine ziemliche Herausforderung sein. Obwohl sie oftmals internationale Belange haben, heißt das noch lange nicht, dass sie sich deshalb auch bemühen, den Ansprüchen eines internationalen Publikums gerecht zu werden. In manchen Fällen erwähnen sie einen englischen Namen auf ihrer Website, aber bei weitem nicht immer. Bei kleineren Organisationen liegt diese Information oft in den dunkelsten Tiefen des Internetauftritts verborgen, und manchmal stehen sogar zwei oder mehr verschiedene Versionen zur Auswahl. Unter Umständen kann man bei bereits vorhandenen Übersetzungen im Internet fündig werden, doch deren Authentizität und Qualität sind oft äußerst zweifelhaft.

Bei deutschen Museen, und vor allem auch bei Bildungseinrichtungen, geht der Trend dahin, den deutschen Namen als Markenzeichen zu behandeln und nicht ins Englische zu übersetzen. Das ist alles schön und gut, wenn der Leser den Internetauftritt der Einrichtung gezielt aufgerufen hat und somit vermutlich ziemlich genau weiß, worum es dort geht. Sollte die Institution jedoch in einem anderen Zusammenhang erwähnt werden, so ist der deutsche Name ohne weitere Erklärung möglicherweise unverständlich. Wir treten diesem Trend zur Verwendung des deutschen Namens daher generell entgegen, und benutzen stattdessen gegebenenfalls eine aussagekräftige Übersetzung. So zum Beispiel beim Bremer Übersee-Museum, dessen Name (einschließlich der wortwörtlichen Übersetzung) dem Deutschunkundigen wenig Aufschluss über seine Ausrichtung gibt, im Gegensatz, beispielsweise, zum Deutschen Nationalmuseum. Die von LingServe bevorzugte Übersetzung für „Übersee-Museum" ist „Ethnological Museum", was dem englischen Leser weitaus mehr sagt als „Overseas Museum".

Wie so häufig bei Übersetzungen gibt es auch hier keine Einheitslösung: Die Frage, wie im Englischen mit deutschen Namen umzugehen ist, muss jeweils auf der Basis des Einzelfalls entschieden werden. Es kommt dabei zuallererst auf den Zusammenhang an, und das Interesse des Lesers hat immer Vorrang.

PS: Wenn wir ganz pingelig sein wollten, könnten wir sagen, dass „Bern Museum of Fine Arts" eine natürlicher klingende Übersetzung für „Kunstmuseum Bern" wäre. Das mag pedantisch scheinen, aber die Wortstellung „Museum of Fine Arts Bern" ist ausgesprochen deutsch.

„At-equity“ (07.05.2015)

Wir nähern uns momentan dem Ende der Geschäftsberichtssaison, unserer mit Abstand arbeitsintensivsten Zeit hier bei LingServe. Geschäftsberichte sind häufig äußerst komplexe Projekte, bei denen sich die Rahmenbedingungen ständig verändern. Durch die Beteiligung verschiedener interner und externer Stellen an der Entstehung eines Geschäftsberichts kommt es immer wieder zu Änderungen im Text und Verschiebungen im Zeitplan - in der Regel auf Kosten des für die Übersetzung vorgesehenen Zeitrahmens. Über die Jahre hinweg sind wir zu Experten im Übersetzen dieser geschäftskritischen Veröffentlichungen geworden. Darüber hinaus bieten wir jetzt eine Komplettlösung für englische Geschäftsberichte aus einer Hand. Mit unserem durchgängigen Übersetzungs- und Layout-Service mit InDesign, dem einschlägigen Standard-Tool der Branche, haben wir die optimalen Voraussetzungen, englischen Geschäftsberichten den muttersprachlichen Feinschliff zu geben. Weitere Einblicke in die besonderen Herausforderungen der Übersetzung von Geschäftsberichten und die Tücken, die es dabei zu vermeiden gilt, erhalten Sie in unserem Blogbeitrag Wann ist eine Bilanz keine Bilanz? Informationen über unseren neuen Layout-Service für InDesign finden Sie in dem Beitrag Neues Jahr. Neue Serviceangebote.

Bei Geschäftsberichten steckt der Teufel immer im Detail. Man hat hier weitaus weniger Freiraum eventuell vom deutschen Original abzuweichen als bei anderen Textarten. Die Übersetzung muss zwar stilsicher und für den englischsprachigen Fachleser verständlich formuliert werden; der Informationsgehalt darf aber nicht im Geringsten vom Ausgangstext abweichen. Freie Übersetzungen wären hier eindeutig fehl am Platz. Des Weiteren ist gesetzlich vorgeschrieben, dass kein Abschlussadressat begünstigt oder benachteiligt werden darf. So wurden wir beispielsweise kürzlich von einem Kunden angewiesen, in der englischen Version eines Geschäftsberichts einen Fehler zu reproduzieren, da dieser in der bereits veröffentlichten deutschen Version enthalten war.

Interessant und etwas knifflig wird es bei der Übersetzung, wenn der Geschäftsbericht vermeintlich englische Fachausdrücke enthält. Ein Paradebeispiel ist die Verwendung des Ausdrucks „at-equity im Deutschen. Obwohl dieser auf den ersten Blick englisch aussieht, so handelt es sich dabei dennoch um eine ganz und gar deutsche Schöpfung. „At-equity ist ein Anglizismus, der die Equity-Methode der Bilanzierung von konsolidierten Unternehmen bezeichnet, in denen die Obergesellschaft einen maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmen ausüben kann, aber keine beherrschende Mehrheit der Anteile hält. Anstatt alle Aktiva, Passiva, Aufwendungen und Erträge des Unternehmens aufzuführen, wie bei einer 100%-igen Tochtergesellschaft, wird bei der Equity-Methode nur der Beteiligungsbuchwert des assoziierten Unternehmens im Konzernabschluss ausgewiesen.

Mittlerweile hat sich der Ausdruck „at-equity nachhaltig etabliert, er ist jetzt im deutschen (Controlling-)Sprachgebrauch genauso fest verwurzelt wie anderweitig das Wort „Handy für ein Mobiltelefon, oder eben „Controlling für das Finanzwesen. Im Deutschen ist das auch nicht weiter schlimm, denn der Ausdruck ist an sich nicht falsch und hat sich inzwischen zweifelsohne zur Beschreibung von Beteiligungen eingebürgert, die nach der Equity-Methode bilanziert werden. Doch im Englischen ist diese Verwendung nicht korrekt.

Leider kann man jedoch „at-equity heutzutage in zahllosen englischen Versionen der Geschäftsberichte deutscher Unternehmen finden. Gibt man in Google „at-equity investments ein, so bekommt man jede Menge plausibel aussehender englischer Treffer. Doch wenn man genauer hinschaut, dann ist nicht alles Gold was glänzt. Fast alle dieser Ergebnisse stammen aus deutschen Quellen. Obwohl auch wir schon an anderer Stelle die Vorzüge von Google bei der Terminologierecherche gepriesen haben (siehe LingServes fünf beste Tools für Übersetzer) so ist auch dieses Werkzeug - genau wie Wörterbücher (siehe Blogbeitrag Wörterbücher in den falschen Händen) - immer mit etwas Vorsicht zu handhaben.

Wie übersetzt man also den Ausdruck „at-equity ins Englische? Die korrekte englische Formulierung ist „investments accounted for using the equity method oder, wenn das aufgrund von Platzmangel oder vom Stil her nicht passen sollte, die Kurzform „equity-accounted investments.

Zum Thema Thema (27.02.2015)

Eines der kniffligsten Wörter beim Übersetzen vom Deutschen ins Englische ist „Thema“. Auf den ersten Blick scheint das englische Gegenstück ganz offensichtlich zu sein – „theme“ oder, in bestimmten Zusammenhängen, „topic“ bzw. „subject“. Und oftmals liegt man mit einer dieser Übersetzungen richtig. Aber nicht immer. Denn „Thema“ kann im Deutschen schlichtweg alles mögliche bedeuten.

Die im Duden aufgelisteten Synonyme geben einen Einblick in die enorme Bandbreite möglicher Definitionen:

Angelegenheit, Aufgabe, Aufgabenstellung, Betreff, Frage[stellung], Gegenstand, Objekt, Problem, Problematik, Problemstellung, Punkt, Sache, Stoff, Thematik, Themenstellung; (bildungssprachlich) Materie, Sujet

Oft wird aus dem Zusammenhang klar, was gemeint ist; manchmal jedoch existiert die Klarheit nur im Kopf des Autoren. In einem solchen Fall wird es erforderlich, um Klarstellung zu bitten. Als wir kürzlich einen Kunden baten, uns den genauen Sinn von „Themen“ in dem Satzfragment „spezielle Themen bzgl. anstehender Veranstaltung“ zu erläutern, erhielten wir zur Antwort, dass es „weitere zu berücksichtigende Punkte“ bedeute. Das hatten wir bereits vermutet, jedoch nur weil wir die nötige Erfahrung besitzen und im Laufe der Jahre das erforderliche Fingerspitzengefühl entwickelt haben. Außerdem waren wir in der erfreulichen Lage, den Autor fragen zu können. Das ist aber längst nicht jedem Übersetzer möglich.

Andere Übersetzungsmöglichkeiten für „Thema“ sind beispielsweise „issue“ (allerdings mit Vorsicht zu genießen, da es im Englischen einen negativen Beiklang hat), „talking point“ und „item“, doch die Liste ist schier unendlich.

Auch im Englischen gibt es Wörter, die für alle möglichen Zwecke herhalten müssen. So hat sich z. B. „process“ zu einem richtigen Modewort entwickelt. Anfänglich in den siebziger Jahren populär, findet es heute in einer Vielzahl von Situationen Verwendung, wo oftmals bereits ein viel treffenderes Wort existiert. Dem deutschen „Prozess“ geht es nicht viel anders, er findet zunehmend Einsatz für ein ganzes Kaleidoskop von Bedeutungen. Oftmals ist der Hintergedanke dabei wohl, dass man jedem Text durch die Verwendung dieses Wortes ein professionelles, businesshaftes Flair verleihen kann.

Sprachen entwickeln sich im Laufe der Zeit, das ist jedem klar. Manche Worte erweitern ihr Bedeutungsspektrum, bei anderen wird die Definition eingeschränkt. Übersetzern bleibt nichts anderes übrig, als die gegebenen Tatsachen zu akzeptieren. Das beinhaltet eine objektive Beobachtung der Evolution von Worten im Zeitverlauf, damit sie im Falle einer Abweichung von der ursprünglichen Bedeutung den beabsichtigten Sinn korrekt wiedergeben können.

Eindeutig zweideutig (01.12.2014)

Am Abend des 2. November 1952 wurde der Polizist Sidney Miles erschossen, nachdem er zwei bewaffnete Einbrecher gestellt hatte. Derek Bentley, der später wegen Polizistenmordes hingerichtet wurde, war nicht derjenige, der den Schuss abgegeben hatte, aber er sprach die verhängnisvollen Worte „Let him have it" (Gib's ihm), worauf sein Komplize die Pistole feuerte. Das Urteil hing wesentlich von der Interpretation des Ausrufs „Let him have it" ab. Die Verteidigung argumentierte, es sei ein Versuch gewesen, seinen Komplizen zu bewegen, dem Polizisten den Revolver zu übergeben; die Anklage sah es dagegen als Aufforderung, ihn zu erschießen.

Als Übersetzer weisen wir immer wieder darauf hin, wie wichtig Kontext für eine akkurate Übersetzung ist, aber dieses Beispiel geht sogar noch etwas tiefer. Manchmal muss man wirklich wissen, was sich der Verfasser (oder in diesem Fall der Sprecher) gedacht hat, um die Bedeutung eines Satzes präzise wiedergeben zu können. Im obigen Beispiel wusste nur der Angeklagte selbst, ob er seinen Komplizen auffordern wollte, den Polizisten zu erschießen oder ihm die Pistole auszuhändigen. Nun könnte man sagen, das sollte für Übersetzer keinen Unterschied machen, und sie sollten einfach die entsprechende Mehrdeutigkeit in die Zielsprache übertragen. Aber ganz so leicht geht das leider nicht: es ist äußerst selten, dass es in zwei Sprachen einen jeweils entsprechend zweideutigen Ausdruck gibt, der genau die selben Assoziationen hat. Die bewußte Zweideutigkeit - zusammen mit linguistischen Wortspielen und kulturellen Bezügen - gehört zu den Dingen, die beim Übersetzen oft leider unvermeidlich „verloren gehen". Selbst in unserem Beispiel, wo sich Original und Übersetzung ausnahmsweise mal sehr gut entsprechen, stimmen sie dennoch nicht ganz überein.

Der Fall von Derek Bentley zeigt außerdem die Bedeutung von Hintergrundwissen und Vertrautheit mit dem „Geschäft" des Kunden. Hätte LingServe beispielsweise das Protokoll der Besprechung übersetzt in welcher der Überfall geplant wurde - und wäre während dieses Meetings die im Falle einer Konfrontation mit der Polizei anzuwendende Strategie diskutiert worden - dann wären wir sehr viel besser in der Lage, die exakte Bedeutung der Worte „Let him have it" zu interpretieren.

LingServes fünf beste Tools für Übersetzer (14.11.2014)

Der Lifehacker-Blog veröffentlichte kürzlich einen Artikel über die fünf beliebtesten Übersetzungs-Tools ihrer Leser:http://lifehacker.com/five-best-language-translation-tools-1634228212. Erfreulicherweise enthielt die Liste neben solch nützlichen aber begrenzten Online-Apps wie z. B. Google Translate auch den qualifizierten menschlichen Übersetzer.

Es ist immer interessant, wenn sich Außenstehende zum Thema „Übersetzen" äußern, und der Artikel hat uns inspiriert, unsere eigenen Top-Five Tools aus Übersetzersicht zusammenzustellen.

1. Google und Google Bilder

Wie besser gewinnt man Abstand zum geschriebenen Wort (das erste, was man als Übersetzer lernen sollte), um sich stattdessen auf Bedeutung und Aussage zu konzentrieren, als durch die Verwendung von Bildern? Was sieht man im Geiste vor sich, wenn man ein Substantiv, Adjektiv oder eine Redewendung hört bzw. liest? Gibt man sie kurz in Google Bilder ein, so bekommt man schnell eine ziemlich genaue Vorstellung. Ein gutes Beispiel ist das Wort „Messe", das häufig als „fair" ins Englische übersetzt wird - ein möglicherweise irreführendes Wort, wenn nicht „trade" oder „consumer" davorsteht. Vergleicht man „Messe" und „fair" in Google Bilder kann man leicht sehen, warum.

Man kann Google Bilder auch als einsprachiges Hilfsmittel benutzen, was allerdings eine gut ausgeprägte Beschreibungskraft voraussetzt. Die Ergebnisse einer Bildsuche nach „Lebensfreude" inspirierte uns zu der englischen Übersetzung „happy smiling faces" - recht frei vielleicht, aber sie trifft unserer Ansicht nach die Bedeutung im richtigen Zusammenhang ganz genau.

Google selbst ist ein fantastisches Werkzeug für Übersetzer, besonders wenn man mit einigen der ausgeklügelteren Suchfunktionen vertraut ist. Wir haben nicht genug Platz, um sie alle aufzulisten, aber hier sind ein paar, die wir besonders hilfreich finden:

Eingeschränkte Suche

Wenn man seine Suchbegriffe mit Anführungszeichen eingibt, weiß Google, dass es nach dem ganzen Begriff statt nach den einzelnen Wörtern suchen soll.

Website-Suche

Mit der nachfolgenden Formulierung sucht man auf einer bestimmten Website nach einem bestimmten Wort bzw. bestimmten Wörtern, z. B.:

Übersetzung site:www.lingserve.de

Platzhalter-Suche (bei LingServe sehr beliebt)

In Kombination mit der eingeschränkten Suche bieten Platzhalter die ideale Möglichkeit, das passende Wort für einen bestimmten Zusammenhang zu finden. Googelt man beispielsweise „Die Strategie wurde * um zu", so sieht man anhand der Ergebnisse, dass in diesem Zusammenhang „entwickelt", „entworfen" und „angewendet" zu den möglichen Verben gehören.

2. Der Duden

Eine einsprachige Quelle mag eine etwas überraschende Wahl sein, doch es ist erstaunlich, wie häufig das Nachschlagen der Bedeutung eines Wortes hilft, die passendste Übersetzung zu finden. Die Website vom Duden (und natürlich auch die Druckversion der verschiedenen Wörterbücher) zeigt die Bedeutung eines Wortes, zusammen mit Informationen zu Rechtschreibung, Synonymen, Herkunft etc.

3. dict.cc

dict.cc gehört zu der von manchen etwas mit Herabschätzung betrachteten aber dennoch vielerseits sehr beliebten ersten Generation mehrsprachiger Online-Wörterbücher. In seiner ursprünglichen Kombination von Englisch und Deutsch ist es nach wie vor am stärksten, es bietet eine Vielzahl von Einträgen aber wenig Kontext. In den falschen Händen können solche Online-Wörterbücher zwar Schaden anrichten [S. auch: „Wörterbücher in den falschen Händen"], doch sie haben durchaus ihren Nutzen, selbst für erfahrene Übersetzer. Denn obwohl dict.cc, Leo und ähnliche Websites bei Fachbegriffen generell keine große Hilfe sind, können sie bei alltäglicherem Vokabular häufig dazu beitragen, dass man genau das richtige Wort trifft.

4. Ein Synonymwörterbuch (Thesaurus)

Hier bei LingServe haben die meisten von uns ein Bookmark für die Website unseres Lieblings-Thesaurus in unserem Browser. Für Übersetzer, wie auch für alle anderen, die sich ihren Lebensunterhalt durch Schreiben verdienen, ist ein Synonymwörterbuch ein unabdingliches Werkzeug zum Auffinden der Worte, die uns auf der Zunge liegen. Beim Durchstöbern einer Liste von Synonymen findet sich häufig ein Wort, das passender ist als die mehr offensichtlichen Übersetzungen. Und wenn es darum geht, genau den richtigen Ton zu treffen, dann ist knapp daneben nun mal leider auch vorbei.

5. Gedruckte Wörterbücher

Auf die Gefahr hinaus, dass wir wie hoffnungslose Romantiker klingen, gibt es doch nichts schöneres als ein gedrucktes Lexikon durchzublättern: Das Papier in der Hand zu spüren ist dabei genauso angenehm wie die Möglichkeit, mal eine Pause vom Bildschirm zu machen. Obwohl wir heutzutage größtenteils online recherchieren, haben wir trotzdem weiterhin ein ganzes Regal voller Nachschlagewerke, die uns in bestimmten Fachgebieten nach wie vor unschätzbare Dienste leisten. Und wir stellen immer wieder fest, dass ein Wörterbuch um so hilfreicher ist, je enger seine Ausrichtung.

Ein Königreich für einen Duden (28.08.2014)

Von Richard North

Als ich neulich auf der Duden Online Website die Definition eines deutschen Wortes nachsah, stieß ich auf eine Anzeige für den Sprachberatungsdienst, eine Art Hotline für alle Fragen bezüglich der deutschen Sprache. Sie haben Probleme mit dem Konjunktiv II? Sie möchten wissen, ob man „Schifffahrtsgesellschaft" wirklich mit dreifachem „f" schreibt? Oder vielleicht kommt Ihnen die neue Rechtschreibung immer noch spanisch vor? Ein kurzer Anruf genügt.

Das brachte mich auf den Gedanken, wie nützlich doch eine ähnliche Anlaufstelle für die englische Sprache wäre. Es existieren zwar renommierte Nachschlagewerke - beispielsweise das Oxford English Dictionary, der Collins und Merriam-Webster - aber keines davon kann Anspruch auf einen auch nur annähernd so verbindlichen Status erheben wie ihn der Duden für die deutsche Sprache innehat. Die Fülle von widersprüchlichen Informationen für die englische Sprache ist schlicht und einfach verwirrend. Auf der Suche nach Sprachregeln wählt man am besten eine bestimmte Quelle aus und hält sich dann an deren Vorgaben.

Woran soll man sich da als Übersetzungsbüro orientieren? Wie den meisten Unternehmen deren Existenz von ihrer Expertise bezüglich des englischen Schriftwortes abhängt, bleibt auch uns nichts anderes übrig als unsere hauseigenen Stilrichtlinien in Form eines sogenannten Style Guide festzuhalten. Dazu ziehen wir Stilanleitungen, Handbücher und Lexika zu Rate, sowie natürlich unsere eigenen Sprachkenntnisse. An dem LingServe Style Guide arbeiten wir schon seit vielen Jahren, so dass er heute ein breites Spektrum von Stilfragen abdeckt, wobei der Schwerpunkt auf speziellen Fragen der Übersetzung aus dem Deutschen ins Englische liegt. Unser Style Guide wird ständig im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung unserer Übersetzungsleistungen überarbeitet, und er ist flexibel genug um kundenspezifische Ausnahmen zu berücksichtigen.

Im Gegensatz zu englischsprachigen Herausgebern ist es eher selten, dass ihre deutschen Äquivalente sich die Mühe machen, hauseigene Stilrichtlinien aufzustellen. Das haben sie auch gar nicht nötig, denn der Duden kann alle Fragen schnell und zuverlässig beantworten.

Um den LingServe Style Guide anzusehen, klicken Sie hier.

WM-Sieg für Deutschland! (14.07.2014)

Deutschland ist wieder Fußball-Weltmeister. Die Nationalmannschaft hat Argentinien im Finale 1-0 geschlagen, dank einem fantastischen Tor von „Super-Mario" Götze in der Verlängerung.

Mit dem Erfolg von Joachim Löws Team stehen jetzt auch die Gewinner unseres LingServe Sweepstakes fest. Der Preis für den Sieger (Deutschland) und für den Vizeweltmeister (Argentinien) gehen beide an freiberufliche Mitglieder des LingServe Übersetzer-Teams. Der Trostpreis für das schlechteste Team des Turniers (Kamerun) ging an die Krebsforschungsstiftung Cancer Research UK.

Teamarbeit ist eine entscheidende Grundlage jeder Organisation. In einem Spruch, der kürzlich im Internet die Runde machte, hieß es: Portugal hat Ronaldo, Argentinien hat Messi, Brasilien hat Neymar, Deutschland hat ein Team. Hier bei LingServe sehen wir uns ebenfalls als Team - aus den verschiedenen Stärken der einzelnen Mitarbeiter schaffen wir ein Ganzes, das größer ist als die Summe seiner Teile. Unser Erfolg beruht auf dem Einsatz des Vier-Augen-Prinzips, auf unseren gemeinsam genutzten Terminologie-Ressourcen und auf Erfahrungsaustausch. Während der WM haben wir ein internes Forum zu den Themen Übersetzung, Terminologie und stilistische Fragen gestartet. Es stellt eine weitere Ergänzung unserer „Werkzeugkiste" dar, und ermöglicht es uns, noch besser als Team zu agieren und unseren Kunden einen noch besseren Service anzubieten.

Mit Lingserve richtig getippt! (18.06.2014)

Alle vier Jahre grassiert das WM-Fieber – in England genau so wie in Deutschland. Landauf, landab werden in englischen Fabriken und Büros sogenannte „World Cup Sweepstakes“ organisiert, während man in Deutschland gemeinhin „WM-Tippspiele“ veranstaltet. Ein Tippspiel ist also das Gleiche wie ein Sweepstake? Nun ja, das kommt darauf an …

In Großbritannien ist ein Sweepstake eine ganz spezielle Form von Gewinnspiel: Jeder Mitspieler zahlt eine Einlage und erhält dafür ein bzw. mehrere Team(s) – oder auch Pferde bei Galopprennen – entweder nach eigener Wahl oder durch Auslosung. Der Spieler dessen Team bzw. Pferd gewinnt bekommt das ganze eingezahlte Geld. Es gibt geringfügige Variationen, aber das sind die Grundzüge – die Einlagen werden vom Gewinner „aufgefegt“ (swept up). Ein deutsches Tippspiel könnte theoretisch nach einem ähnlichen Prinzip organisiert werden, aber normalerweise ist das nicht der Fall. Für gewöhnlich geht es inhaltlich komplizierter zu – es gilt einzelne Ergebnisse und Spielstände vorherzusagen – und eine finanzielle Einlage der Spieler ist nicht unbedingt erforderlich.

Im Englischen gibt es kein exaktes Gegenstück für das Tippspiel, und die deutsche Sprache bietet wiederum kein genaues Äquivalent zum britischen Sweepstake an. Da „Tippspiel“ der allgemeinere Begriff ist, stellt es eine legitime Übersetzung für „Sweepstake“ dar, aber andersrum ist das nicht der Fall, es sei denn man ist ganz sicher, dass ein Tippspiel wirklich als Sweepstake organisiert ist. Wie so oft beim Übersetzen kommt es auch hier immer auf den genauen Zusammenhang an.

Bei LingServe bevorzugen wir das englische Format; wir organisieren Sweepstakes für jede Fußball-Welt- und Europameisterschaft. Dieses Jahr wurden die 32 Teams nach Weltrang in zwei Gruppen aufgeteilt, und jeder Mitspieler erhielt jeweils eins der 16 Teams aus beiden Gruppen. Der gute Zweck ist auch mit zwei Teams vertreten, in diesem Jahr sind es die Turnier-Favoriten Brasilien und Außenseiter Kamerun.

Vielleicht organisieren wir ja nächstes Mal zur Abwechselung mal ein Tippspiel.

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Bitte einfach mal drüber schauen (30.04.2014)

Immer häufiger werden wir von deutschen Kunden gebeten, selbstverfasste englische Texte zu überarbeiten („Bitte einfach mal drüber schauen / die schlimmsten Fehler ausräumen“) – oft in der Hoffnung, dass sich dadurch Zeit und Geld sparen ließen. Doch diese Annahme beruht auf einem grundlegenden Missverständnis bzw. auf einer falschen Vorstellung davon, was der Übersetzungsprozess beinhaltet.

Ganz im Gegenteil dauert das Überarbeiten eines englischen Textes der von einem Nicht-Muttersprachler geschrieben wurde häufig länger als die Übersetzung eines gut geschriebenen Textes in der eigenen Sprache des Autors. Und wichtiger noch: das Endresultat ist generell von geringerer Qualität.

Um eine qualitativ hochwertige Arbeit liefern zu können, muss der Übersetzer jede Bedeutung und jeden Zwischenton den der Autor dem Leser zu vermitteln gedenkt ganz genau verstehen. Der Prozess an sich ist gleich, egal ob der Übersetzer den Text von einer Sprache in eine andere überträgt oder innerhalb der selben Sprache korrigiert: eine semantische Einheit (normalerweise ein Satz) wird gelesen und analysiert, und dann in den eigenen Worten des Übersetzers wiedergegeben. Was dabei dem Übersetzer die Aufgabe erleichtert bzw. erschwert ist die Verständlichkeit mit der die enthaltenen Ideen ausgedrückt sind.

Selbst Menschen mit ausgezeichneten Fremdsprachenkenntnissen sind meist nicht in der Lage, ihre Gedanken und Vorstellungen in einer Fremdsprache so präzise und schlüssig auszudrücken wie in der eigenen Muttersprache. Der Versuch kostet den Autor stets mehr Zeit und hat darüber hinaus negative Auswirkungen auf das Endprodukt. Die Qualität einer Übersetzung hängt nämlich immer von der Qualität des Ausgangstextes ab.

Wenn wir um Korrektur eines englischen Textes gebeten werden, befinden wir uns daher in der unangenehmen Lage dass wir

a) unter Umständen jemanden mit der Wahrheit über die Qualität seines Schriftenglisch verletzen müssen und

b) seine Erwartungen enttäuschen, dass sich durch die Überarbeitung eines englischen Textes gegenüber einer neuen Übersetzung Geld sparen lässt.

Sind Waschbären immer sauber?! (14.01.2014)

Das ist eine völlig logische Frage. Besonders dann, wenn man unter zehn Jahre alt und deutschsprachig ist. Denn im Deutschen ist procyon lotor, so der wissenschaftliche Name des putzigen Tieres, eben als Waschbär bekannt. Der Name kommt von der Angewohnheit der Tiere, ihre Nahrung häufig unter Wasser zu begutachten, was den Anschein gibt, sie würden sie waschen.

Ein Marketing-Text, den wir kürzlich für einen deutschen Zoo übersetzten, stellte uns vor die Aufgabe, eine scheinbar ganz einfache Frage zu übersetzen: „Sind Waschbären immer sauber?”
Man muss jedoch kein Zoologe sein, um zu wissen, dass eine wörtliche Übersetzung in diesem Fall nicht zu einer befriedigenden Lösung führen konnte. Durch eine Umschreibung würde die Frage zu lang, und der scherzhafte Ton ginge verloren. Stattdessen war ein kreativer Wechsel gefordert, wobei idealerweise der kindlich-verspielte Ton im Englischen erhalten bleiben sollte.

Wenn es um kniffelige Übersetzungen geht, bietet LingServe das gewisse Etwas. In unserem Übersetzer-Team haben wir eine Reihe von Sprachlern unter einem Dach, so können wir uns zusammensetzen und durch Brainstorming die optimale Lösung finden. Da führt dann eine Idee zur anderen, und im Nu hat man einen ganzen Haufen von Lösungsvorschlägen. Würde eine ähnlich arglose Frage funktionieren, z. B. „Wieso hat das Zebra Streifen?“ Noch besser wäre ein Tier, das im Englischen einen „anschaulichen“ Namen hat. Wie wäre es mit elephant seal (See-Elefant), bottlenose dolphin (großer Tümmler) oder hammerhead shark (Hammerhai) …? Zu guter Letzt war unsere Lösung ein Tier das, genau wie der Waschbär, einen etwas irreführenden Namen hat: der Komodo dragon (Komodowaran, auch „Komododrache“ genannt). Unsere endgültige Übersetzung war … „Do Komodo dragons breathe fire?“

Die Vorteile der Teamarbeit (27.09.2013)

Dieser Blogbeitrag stammt von Richard North

Alles was wir bei LingServe übersetzen wird jeweils von einem Kollegen überprüft. Dabei geht es natürlich vorrangig darum, etwaige kleine Fehler zu korrigieren, und sicherzugehen, dass der Übersetzer die deutsche Vorlage richtig verstanden und einen schlüssigen, gut geschriebenen englischen Text verfasst hat, der im Bezug auf Stil, Register und Form dem Original entspricht. Doch für den Prüfer, sowie für LingServe und für unsere Kunden, ergibt sich noch ein weiterer, weniger offensichtlicher Vorteil. Beim Durchsehen der Arbeit Anderer stößt man nicht nur auf neue Lösungen für schwierige Übersetzungsprobleme sondern mitunter auch auf originelle Ansätze für scheinbar einfache Worte.

Hierfür ein Beispiel: Vor kurzem überprüfte ich die Arbeit eines Kollegen, der das deutsche Wort „fast“ als „the best part of“ übersetzt hatte. Im Deutschen hieß es: „Seit fast 1.000 Jahren wird…“. Daraus wurde jetzt: „For the best part of a thousand years …“. Diese Formulierung war mir (zumindest in Übersetzungen) neu, und es war schön, mal eine Abwechselung von den üblichen Verdächtigen „almost“ und „nearly“ zu haben. Der Ausdruck gefiel mir so gut, dass ich ihn ein paar Tage später selbst in einer eigenen Übersetzung verwendete. Und derjenige, der meine Übersetzung überprüft hat, verwendet womöglich jetzt „the best part of“ als Teil seines eigenen Repertoires, wenn er das nicht bereits vorher tat. Diesen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung möchte ich mal als die „Schwarmintelligenz“ von LingServe bezeichnen.

Einer der Hauptvorteile, den wir gegenüber unseren freiberuflichen Kollegen haben, ist der ständige Kontakt mit der Arbeit anderer Übersetzer. So bleiben unsere Übersetzungen frisch, und gleichzeitig entwickelt sich dadurch auf ganz natürliche Weise ein gemeinsamer, charakteristischer „LingServe-Schreibstil“.

Gut Ding will Weile haben (24.06.2013)

Ganz gleich, was diverse Übersetzungsdienstleister Ihnen versprechen, in der Realität hat man immer die Qual der Wahl zwischen Zeit und Qualität. Wer das abstreitet, will Sie übers Ohr hauen.

Weshalb drillt jeder Fußballtrainer seine Spieler darauf, den Gegner unter Druck zu setzen und ihm keine Zeit am Ball zu geben? Ganz einfach: Setzt man Menschen unter Druck, dann machen sie Fehler. Das gilt für Übersetzer ebenso wie für Fußballspieler.

Falls bei einem Kunden die Zeit wirklich drängt, dann tun wir natürlich alles Menschenmögliche, um dem Termin gerecht zu werden und trotzdem die höchstmögliche Qualität innerhalb der gegebenen Frist zu liefern. Aber dabei kommt es zwangsläufig zu gewissen Kompromissen: Schneller arbeiten, etwas weniger gründlich recherchieren, den Auftrag auf mehrere Übersetzer verteilen, einen externen Übersetzer beauftragen, der mit dem Kunden bzw. dem Thema weniger vertraut ist, eine Spätschicht einlegen – all das sind Notlösungen. Aber sie schaffen keine idealen Bedingungen für qualitativ hochwertige Übersetzungen, und sollten daher nach Möglichkeit vermieden werden.

Hier bei LingServe arbeiten wir mit einem festen, gut eingespielten Team, das agil arbeitet und auf kurzfristige Veränderungen in der Auftragslage flexibel reagieren kann. Uns ist bewusst, dass sich knappe Fristen manchmal beim besten Willen nicht vermeiden lassen. Generell gilt aber: je mehr Zeit wir für die Fertigstellung einer Übersetzung haben, desto besser wird das Resultat.

Why the world still needs translators (13.05.2013)

I often find it surprising how little non-linguists actually know about the process of translation. While talking to someone at a recent social event, I was asked a question that I’m sure all translators have heard before: “Isn’t Google Translate going to make you redundant?” The short answer is “Only if you translate like a machine.”

Machine translation certainly has its uses, primarily for getting the gist of a text where there is no particular need (or budget) for a professional translation. But if you want a translation that ticks all the same boxes as the source text in terms of its ability to engage the reader through the use of fluent, compelling and idiomatic language and you want to be sure that the nuances of the source language are conveyed as accurately as possible in the target language, machine translation simply doesn’t cut it. To illustrate this point, I have taken a couple of passages of text from documents we are currently working on so as to compare the Google Translate output with our own human output:

Source text:

Mitten in der Diskussion um die Ausweitung des Euro-Schutzschirms im Sommer 2012 sorgte Irland für Aufsehen am Anleihemarkt: Nach der Abwertung auf Ramschniveau 2010 platzierte der Inselstaat langfristige Anleihen am Markt – und zählt im Staatenvergleich inzwischen zu den Top-Performern.

Google (machine) translation:

In the middle of the discussion about the expansion of the euro-protection peak in summer 2012 made ​​Ireland a stir in the bond market: After the devaluation to junk 2010, the island nation placed long-term bonds on the market - and one in the States compared now to the top performers.

Ignoring the fact that there are a couple of outright mis-translations, the machine translation does give you some idea what the source text is about and a rough gist of the meaning. If that’s all you need, fine. This passage of text, however, is from the annual report of a major German fund management company. The text has to engage the reader and convey the image of a professional, reliable and well-run company, as we have attempted to do in our translation:

LingServe (human) translation:

Amid all the discussions about enlarging the euro bailout fund, Ireland caused a sensation in the bond market in the summer of 2012. Having been downgraded to junk status in 2010, the Emerald Isle placed long-term bonds on the market and is now one of the top performing countries.

Even with the latest advances in statistical methodologies, machine translation is unable to adequately draw on context and background knowledge, carry out research or apply judgment. Another example by way of illustration:

Source text:

Eine Doppelwerft mit den Standorten Wismar und Rostock-Warnemünde soll eines der innovativsten Unternehmen Deutschlands sein. Wie bitte? Wirklich? So fällt bei vielen die erste Reaktion aus.

Google (machine) translation:

A double yard with locations Wismar and Rostock-Warnemünde is supposed to be one of the most innovative companies in Germany. What? Really? How many drops from the first reaction.

Leaving aside the ‘how many drops’ howler, the machine translation renders the original reasonably accurately. But that misses the point here. Most international readers will be unaware of the location of Wismar and Rostock-Warnemünde and merely confused by the reaction supposedly elicited in the German reader. This is where the translator has to apply some human judgement to provide copy that fulfils the purpose of the source text rather than just replicating it word for word.

LingServe (human) translation:

With two shipyards – one in Wismar and the other in Rostock-Warnemünde – Nordic Yards is one of Germany's most innovative companies.  Many are surprised to find such a company in this remote part of eastern Germany.

The intention of both of these companies in their respective documents is to project a particular image of their company and the products or services they provide. Will they ever be able to replace human translators with a machine for this task? I, for one, am not losing any sleep over this question… 

Wörterbücher in den falschen Händen (27.04.2012)

Wörterbücher – sowohl in elektronischer Form wie als Druckwerk – sind als Werkzeug aus dem Arbeitsalltag des Übersetzers nicht mehr wegzudenken.

Aber wenn Laien Wörter einfach blind aus einem Wörterbuch übernehmen, können sie dadurch unbewusst großen linguistischen Schaden anrichten. Nur weil etwas im Wörterbuch steht, heißt schon lange nicht, dass es im jeweiligen Zusammenhang passt und im Kopf des Lesers die gewünschten Assoziationen hervorruft. Oftmals findet man die passende Übersetzung im Wörterbuch gar nicht, und die Übersetzungen, die man findet, sind häufig ungeeignet.

Die korrekte Wortwahl – ggfs. mit Hilfe eines Wörterbuchs – setzt entsprechende Fachkenntnisse und das Fingerspitzengefühl eines Muttersprachlers der Zielsprache voraus.